Nach dem zurückgetretenen Uwe Scheuch soll es an der Parteispitze nun dessen Bruder Kurt richten – die Haidersche "Buberlpartie" reproduziert sich selbst. Von ihrem Erscheinungsbild her, urteilt Ex-Vize Kanzler Erhard Busek (ÖVP) über die beiden Landwirte, seien die Scheuchs "Nazi-Buam".

Auffallend: Der amtierende Landeshauptmann Gerhard Dörfler (ebenfalls ein Freiheitlicher) will von den dubiosen Deals im Ländle nichts gewusst haben. Statt sich als Regierungschef an die Spitze der Aufklärung zu stellen, verweigert er sich trotzig jeglicher Zusammenarbeit. Während die Grünen als maßgebliche Aufklärer des Korruptionssumpfes zusammen mit SPÖ und ÖVP auf sofortige Neuwahlen drängen, will Dörfler diese um jeden Preis verhindern. In der Wählergunst sind die Freiheitlichen rasant abgestürzt – auch Dörfler steht derzeit wegen einer umstrittenen Werbekampagne im Visier von Ermittlungen. Die Wählern jedenfalls scheinen genug zu haben von den nicht enden wollenden krummen Touren der Freiheitlichen: Nach Jahren an der Macht würde die Freiheitliche Partei in Kärnten derzeit hinter der SPÖ landen.

Regionalstolz und Minderwertigkeitskomplex

Es ist vor allem Dörflers Weigerung, Neuwahlen zuzustimmen, die belegt, wie nachhaltig die politische Kultur in Kärnten durch die Haiderlinge gelitten hat. Selbst einfachste demokratische Spielregeln scheinen am Fuße der Karawanken außer Kraft gesetzt. Indes, was soll man erwarten von Politikern, die wie Dörfler schon mal Negerwitze erzählen oder im Karneval an den Plastik-Brüsten einer Farbigen nuckeln? Auch Übervater Haider machte gern mit Unsäglichkeiten auf sich aufmerksam. Bei den Kärntnern kam dies lange an.

Doch warum gerade Kärnten, warum konnte sich das System Haider mit seiner Günstlingswirtschaft und seinen klandestinen Strukturen hier etablieren und so lange halten? Der Politologe Anton Pelinka umschreibt es so: "In Kärnten wurde die Aufarbeitung des Nationalsozialismus aufgeschoben. Man hat die Modernisierung verweigert." Haider und seine Entourage bedienten lange erfolgreich das "Wir"-Gefühl der Kärntner, die sich seit jeher als unterprivilegiert ansehen. "Die Mischung aus Regionalstolz und Minderwertigkeitskomplex" sei bezeichnend für die Region, urteilt der Politikforscher Peter Filzmaier. Vor allem der Reflex "Alle gegen uns" habe in Kärnten immer trefflich funktioniert.