Es ist nicht mal neun Monate her, dass Mario Monti zum ersten Mal gemeinsam mit Angela Merkel an einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt teilnahm. Damals war Monti erst seit zwei Monaten im Amt und hatte bereits einen ehrgeizigen Reformplan gestartet. Die beiden Regierungschefs traten lächelnd vor die Journalisten und entschuldigten sich, dass sie sich wegen eines Gesprächs unter vier Augen leicht verspätet hatten.

Als Monti und Merkel am Mittwochnachmittag erneut zur gemeinsamen Pressekonferenz im Bundeskanzleramt erschienen, merkte man den beiden an, dass sie unter starkem Zeitdruck stehen. Angela Merkel fing gleich an zu sprechen, während ein verdutzter Monti noch mit den Kopfhörern fummelte.

Unterschiedliche Ansichten

Die Bundeskanzlerin wies mehrmals auf die "engen Kontakte" zwischen der deutschen und der italienischen Regierung hin. Die Kooperationsfähigkeiten in der Euro-Zone – sagt Merkel – sollen allerdings verbessert werden.

Monti bezog sich auf die erste gemeinsame Pressekonferenz mit der Kanzlerin und beteuerte, dass seitdem in vielen europäischen Ländern in kurzer Zeit große Erfolge erzielt wurden. Außerdem verwies er darauf, dass die wirtschaftspolitische Disziplin der Deutschen Vorbild für Europa und auch eine stärkere europäische Union sei.

Trotz des freundlichen Umgangstons spürte man aber eine gewisse Distanz zwischen den beiden. Anders als bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt, schauten sich die zwei Regierungschefs selten an. Schließlich waren sie in den vergangenen acht Monaten sehr oft unterschiedlicher Meinung. Auch am Mittwoch widersprachen sich die Kanzlerin und der italienische Premier bezüglich der Wünschbarkeit einer Banklizenz für den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM.

Monti steht unter innenpolitischem Druck

Es ist außerdem erst zwei Monate her, dass der italienische Premierminister bei einem Euro-Gipfel in Brüssel mit einem Veto gegen den Wachstumspakt drohte , um die Bundeskanzlerin dazu zu zwingen, eine Intervention des europäischen Rettungsfonds auf den Anleihemärkten anzunehmen. Als die Bundeskanzlerin darauf hinwies, dass es Länder wie die Niederlande und Finnland gibt, die dieser Entscheidung nicht zustimmen würden, reagierte Monti offensichtlich enttäuscht.

Dann kam das umstrittene Interview mit dem Spiegel , in dem Monti den zu starken Einfluss der Parlamente auf die Europapolitik beklagte. Die deutschen Politiker reagierten empört und Monti musste sich entschuldigen.

Die größten Schwierigkeiten hat aber der italienische Premierminister mit dem eigenen Parlament. Er steht unter starkem Zeitdruck, da in den kommenden Monaten die Wahlkampagne für die Parlamentswahl 2013 beginnen wird. Bis zu dem Zeitpunkt sollen die wichtigsten Punkte seines in der Bevölkerung unbeliebten Reformprogramms bereits umgesetzt werden.