Es geht um Milliarden, es geht um eine unverhoffte Chance für eines der ärmsten Länder der Welt, es geht aber auch um die Probleme, die mit dem Geld kommen. Carlos Mauricio erzählt über Mosambiks plötzlichen Reichtum und das Interesse großer internationaler Bergbau- und Mineralölkonzerne , die in dem südostafrikanischen Land investieren wollen, nachdem dort riesige Erdgasvorkommen gefunden wurden. Mauricio kennt sich aus mit Geld, Kontrollen und Problemen. Er soll Mosambik dabei helfen, dass von den Einnahmen aus den Rohstoffdeals nicht nur einige wenige Reiche noch reicher werden, sondern das ganze Land von den Milliarden profitiert.

Noch gehört Mosambik zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Human Development Index 2011 der Vereinten Nationen belegt Mosambik Platz 184 von 187 Ländern. Vom Wirtschaftswachstum, das etwa acht Prozent pro Jahr beträgt, profitieren die Armen kaum: Rund 55 Prozent der Menschen leben in absoluter Armut und verfügen lediglich über einen halben Dollar pro Tag. Knapp 45 Prozent der Mosambiker sind Analphabeten. Geld kann das Land schon gebrauchen.

Mauricio steht vor einer kniehohen Mauer und zeigt auf eine alte, weiße Villa aus der Kolonialzeit, die dahinter liegt. Er wirkt so, als ob das Gebäude für ihn die wichtigste Sehenswürdigkeit Maputos darstellt, Mosambiks Hauptstadt. "Tribunal Administrativo" steht in dicken, goldfarbenen Lettern über dem Eingang – Rechnungshof. Mauricio, 47 Jahre alt, Seitenscheitel links, schmale Brille, schwarzer Anzug, sagt, dass jeder funktionierende Staat unabhängige Kontrolleure braucht. Für ihn ist das eine Frage der funktionierenden Gewaltenteilung und damit der Demokratie.

Mosambiks Armut ist besiegbar

Mauricio hat eine Mission. Er zeigt Rechnungsprüfern des Tribunal Administrativo, wie sie mit Taschenrechnern, Akten und Computern gegen Missmanagement und Korruption ankämpfen können.

Unabhängige Finanzkontrolleure braucht das Land dringend. Vor Mosambiks Küsten wurden Erdgasvorkommen entdeckt – Experten vergleichen die Größe der Vorkommen mit denen von Katar. Seltene Erden wurden gefunden, die von der Industrie in Amerika , Europa und Asien nachgefragt werden. Im Norden gibt es zudem große Kohlevorkommen.

Der Konzern Vale aus Brasilien hat zwei Milliarden Dollar in eine Mine gesteckt, eine weitere Investition über mehr als sechs Milliarden Dollar soll folgen. Rio Tinto, ein britisch-australischer Bergbaukonzern, ist in Mosambik aktiv, ebenso Anadarko Petroleum aus den USA und der italienische Konzern Eni. Mit der Vergabe von Schürf- und Förderrechten wird das Land im Südosten Afrikas in den kommenden Jahren Milliarden einnehmen.

" Bedeutende Rohstofffunde , allen voran die Erdgasvorkommen im zur Grenze nach Tansania gelegenen Rovuma-Becken, deuten darauf hin, dass Mosambik bei kluger Verwendung dieses natürlichen Reichtums sich mittel- bis langfristig aus der Armut befreien könnte", heißt es beim Auswärtigen Amt in Berlin . "Hier die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen stellt für die Regierung von Mosambik und die internationale Gebergemeinschaft die aktuell größte Herausforderung dar."