Im umstrittenen Moskauer Prozess gegen die Punkband Pussy Riot hat die Staatsanwaltschaft jeweils drei Jahre Haft wegen Rowdytums aus religiösem Hass für die drei Angeklagten gefordert. Die Frauen hätten die Gefühle von Gläubigen absichtlich verletzt, sagte Staatsanwalt Alexej Nikiforow vor dem Chamowniki-Gericht. Ihre Handlungen belegten "eindeutig religiösen Hass und Feindseligkeit". In einer Kirche zu fluchen sei eine Verunglimpfung Gottes.

Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) sind nach einem provokanten Auftritt mit Strickmasken in der Erlöser-Kathedrale Moskaus wegen Rowdytums aus religiösem Hass angeklagt.

Wie sie selbst sagten, galt ihr Protest Präsident Wladimir Putin und dem in Russland herrschenden System von Staat und Kirche. Die Frauen hatten schon früher mit spektakulären Aktionen Aufsehen erregt.

Aus Angst ins Ausland

Vor dem Chamowniki-Gericht hatten sie die Vorwürfe als absurd und unrechtmäßig zurückgewiesen. Sie hätten die Gefühle russisch-orthodoxer Christen mit dem politischen Protest nicht verletzen wollen, sagten sie.

Der Prozess gilt als politisch motiviert. Auch Russlands bekanntester Häftling, der Kremlkritiker Michail Chodorkowski , bezeichnete das Verfahren als Schande für Russland. "Für uns gibt es kein ehrliches und unabhängiges Gerichtsverfahren mehr und keine Möglichkeit, uns selbst zu verteidigen und die Menschen vor Gesetzlosigkeit zu schützen", schrieb er auf seiner Website . Präsident Putin hatte sich vor Tagen für Milde gegen die Angeklagten ausgesprochen. Den Musikerinnen hatten aufgrund der Anklage bis zu sieben Jahre Haft gedroht.

Vor Gericht stehen drei junge Frauen. Zu Pussy Riot gehören nach Angaben der Anwälte aber etwa 20 Künstlerinnen. Aus Angst, ebenfalls festgenommen zu werden, sind einige von ihnen vorübergehend ins Ausland geflüchtet oder halten sich versteckt.