Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney will nach Angaben aus Parteikreisen den Kongressabgeordneten Paul Ryan zu seinem Vizekandidaten machen. Ryan gilt als einer der Nachwuchsstars der republikanischen Partei und als Steuer-Hardliner. Er ist seit 1999 Kongressmitglied und Vorsitzender des Haushaltsausschusses.

Schlagzeilen machte Ryan vor allem durch seinen radikalen Sparkurs bei den Staatsausgaben. Der 42-Jährige trat für Kürzungen im staatlichen Gesundheitsprogrammen für arme und ältere Menschen ein. Ryan steht hinter einem vom US-Repräsentantenhaus im März verabschiedeten Haushaltsplan, der Einsparungen in Höhe von rund fünf Billionen Dollar binnen zehn Jahren vorsieht. Der Plan hat allerdings keine Chance, den Senat zu passieren, in dem die Demokraten von Präsident Barack Obama die Mehrheit halten.

Mit seiner Fiskalpolitik bietet Ryan eine klare Angriffsfläche für die Demokraten. Die haben seinen Haushaltsvorschlag heftig kritisiert und werfen ihm vor, Millionäre steuerlich zu entlasten und wichtigen Bundesprogrammen den Geldhahn zuzudrehen. Ryans Plan sieht auch vor, das staatliche Gesundheitsprogramm Medicare zum Teil zu privatisieren.

Auf Konfrontationskurs mit Obama

Mit der Personalwahl Ryan grenzt Romney sich scharf vom Kurs seines Konkurrenten Barack Obama ab. Die New York Times spricht von zwei stark konträren Programmen, zwischen denen sich die Wähler entscheiden müssten – um zu bestimmen, "welche Partei die besseren Lösungen hat, um die schweren finanziellen Belastungen des Landes anzugehen". Der Streit über Staatsausgaben hat Demokraten und Republikaner bislang besonders gespalten. Die Republikaner wollen das immense US-Haushaltsdefizit vor allem über eine Verschlankung des Staates und Ausgabenkürzungen reduzieren. Obama will dagegen Steuerschlupflöcher schließen und die Abgaben für Besserverdienende erhöhen. "Ryan ist eine mutige Wahl, die die republikanische Partei beleben wird, aber auch mit Risiken verbunden ist. Denn sie stellt seine Haushaltsplanung in den Mittelpunkt von Romneys Wahlkampagne", schreibt dazu die Huffington Post .

Ryan, der auch als Liebling der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung gilt, stammt aus Wisconsin und vertritt den Bundesstaat im Repräsentantenhaus. Offenbar hofft Romney auch, dass er mit seiner Hilfe die Wahl in Wisconsin gewinnen kann. Dort lag die Demokratische Partei von Obama vor vier Jahren mit großem Vorsprung vorn.

Romney soll Ende August auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa ( Florida ) zum Herausforderer von Präsident Barack Obama gewählt werden. Er will die Wahl seines running mate noch am Samstag offiziell bekanntgeben. In Norfolk im Bundesstaat Virginia wird er auf dem ehemaligen Kriegsschiff USS Wisconsin sprechen. Unmittelbar danach beginnt der Ex-Gouverneur eine Wahlkampftour per Bus durch die Bundesstaaten North Carolina , Virginia, Florida und Ohio . Den vier Staaten kommt eine Schlüsselrolle bei der Präsidentenwahl am 6. November zu, und sie sind von Demokraten wie Republikanern besonders stark umkämpft.

Die Entscheidung über den republikanischen Vizekandidaten war von den Wählern in den USA mit Spannung erwartet worden, Medien hatten bereits spekuliert, dass Ryan Romneys Favorit sei. Romney habe Freitagabend mit anderen Kandidaten telefoniert und ihnen mitgeteilt, dass die Wahl nicht auf sie gefallen wäre. Er habe aber auch nicht gesagt, für wen er sich entschieden habe, berichtet die New York Times unter Berufung auf einen führenden Mitarbeiter der Republikaner.