Blau-türkises Meer, kilometerlanger Strand, Palmen säumen die Uferstraße. Der leichte Wind macht die Sommerhitze am Strand von Al-Arisch erträglich. Amer Salah Goda und einige seiner Familienmitglieder sitzen vor einer Bude aus Brettern und Planen. Es ist das einzige Café weit und breit.

"Der Staat kümmert sich nicht um den Sinai . Es gibt hier keine Investitionen, keine Jobs, keine Perspektiven. Das ist der Grund, warum die Menschen Polizeistationen und Checkpoints angreifen", sagt Goda. Der gelernte Veterinär ist unabhängiger Politiker in Al-Arisch. Früher hat er an der berühmten Al-Azhar Universität in Kairo unterrichtet.

Seine Heimatstadt Al-Arisch ist die Hauptstadt des Nordsinai. Das Verhältnis zwischen der Regierung in Kairo und den Menschen hier ist seit Langem gespannt. Hunderttausenden Beduinen wird von den Behörden kein gültiger Ausweis ausgestellt. Sie dürfen weder Häuser noch Grundstücke besitzen. In der Regierung, der Bürokratie und in den Sicherheitskräften ist kein Beduine auf einem hohen Posten vertreten. Investitionen finden nur in den Touristenorten im Süden statt. "Wir sind Bürger zweiter Klasse", sagt Goda.

Schlechte Erinnerungen werden wach

Die schlechte wirtschaftliche Lage bietet einen Nährboden für kriminelle wie auch gewaltbereite islamistische Gruppen. Immer wieder kommt es zu Bombenattentaten und Entführungen. Der Staat antwortet mit wahllosen Massenverhaftungen und Folter. Während des Aufstands gegen Präsident Hosni Mubarak im Januar 2011 schließlich verschwanden die Sicherheitskräfte von der Halbinsel. Für die Beduinen eine neue Freiheit.

Doch nach dem Angriff auf die israelische Grenze Anfang August, bei dem 16 ägyptische Soldaten getötet wurden, verkündete Ägyptens neuer Präsident Präsident Mohammed Mursi eine neue Offensive . Truppen und Panzer wurden in den Sinai verlegt, sowie sieben Anti-Terror-Brigaden entsandt. Bei den Bewohnern werden nun schlechte Erinnerungen wach.

"Wir fühlen uns nicht mehr sicher. Auf der einen Seite bedroht uns das Militär, auf der anderen militante Gruppen", sagt Goda und zuckt plötzlich zusammen. Im Hintergrund zerreißen Schüsse die Stille, Kinder rennen über den Strand zu ihren Eltern. Die nahe gelegene Polizeistation wird beschossen. "Das ist das dritte Mal dieses Jahr", sagt Godas Bruder Usama. "Das letzte Mal war gestern."