Nach Einschätzung vieler Beobachter läuft die Zeit für Syriens Präsident Baschar al-Assad ab. Damit will sich der Iran nicht abfinden. Energisch wirft sich Teheran für seinen Verbündeten in die Bresche: Die "Achse des Widerstands" gegen Israel dürfe nicht zerbrochen werden, tönt der Gesandte Said Dschalili nach einem Treffen mit dem bedrängten Staatschef in Damaskus . Der Iran werde einen Regimewechsel in Syrien nicht zulassen. Die "Achse des Widerstands" bezeichnet in der iranischen Diktion die israelfeindlichen Kräfte in der Region, zu denen der Iran, Syrien unter Assad, die schiitische Hisbollah im Libanon und die radikal-islamische Hamas im Gaza-Streifen gehören.

Und damit Stärke und Zuversicht demonstriert werden, hat sich Assad zum ersten Mal seit 16 Tagen wieder im Staatsfernsehen gezeigt, mit Dschalili, dem Spitzenvertreter seines wichtigsten Verbündeten in der Region. Assad und Dschalili hätten über die beiderseitigen Beziehungen sowie die Lage in der Region gesprochen, hieß es in dem TV-Bericht. Es ist davon auszugehen, dass auch das Schicksal der in Syrien entführten 48 Iraner ein wichtiges Thema zwischen Assad und dem Gesandten war. Der Iran bemüht sich um die Freilassung seiner Staatsangehörigen, die sich in der Gewalt der syrischen Rebellen befinden.

Die iranische Führung hat die Türkei und Katar um Vermittlung in dem Fall gebeten. Dschalili sagte dem iranischen Fernsehsender Al-Alam, Teheran werde alle zu Gebote stehenden Mittel einsetzen, um die Geiseln freizubekommen. Daher redet Iran auch mit der Assad-kritischen türkischen Regierung: Irans Außenminister Ali Akbar Salehi wird zu einem Gespräch mit seinem türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu in Ankara erwartet. Sein Ministerium teilte mit, Salehi werde die türkische Regierung an ihre Verantwortung für das Schicksal der entführten 48 Iraner erinnern. Teheran kritisierte, dass die Türkei die aufständische Freie Syrische Armee unterstütze, die sich zu der Geiselnahme bekannte.

Pilger oder Revolutionsgardisten?

Syrische Rebellen mit islamistischem Hintergrund hatten am letzten Wochenende in Damaskus 48 Iraner verschleppt – nach Darstellung des Iran handelt es sich um "Pilger". Die Rebellen unterstellen ihnen hingegen, Angehörige der iranischen Revolutionsgarden zu sein. Der Iran bestreitet dies. Die Iraner befinden sich praktisch in Geiselhaft der Einheit der Aufständischen. Wo sie festgehalten werden, ist unbekannt. Am Montag behaupteten die Geiselnehmer, dass drei der Iraner im Beschuss der Streitkräfte umgekommen seien. Weitere Geiseln würden erschossen, wenn das Regime den Artilleriebeschuss nicht einstelle.

"Das syrische Volk und seine Regierung sind entschlossen, das Land von Terroristen zu säubern und sie ohne Ruhepause zu bekämpfen", drohte Assad, wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet. Dschalili sagte demzufolge, der Iran werde nicht erlauben, dass die "Achse des Widerstands", für die Syrien ein wesentliches Element sei, in irgendeiner Weise zerbrochen werde. Wie die BBC berichtet , plant Teheran zudem für Donnerstag ein internationales Treffen zur Lage in Syrien.

Zuletzt war Assad am 22. Juli im syrischen Fernsehen zu sehen gewesen – vier Tage, nachdem ein Anschlag auf den innersten Machtzirkel des Regimes in Damaskus vier wichtige Gefolgsleute getötet hatte, unter anderem den Verteidigungs- und den Innenminister.

Irans Gesandter Dschalil hatte bei seiner Ankunft in Damaskus gesagt: "Die Lösung für den Syrien-Konflikt muss aus Syrien selbst und auf dem Weg des nationalen Dialogs kommen, nicht durch die Intervention äußerer Kräfte." Den USA warf er vor, die Region durch Waffenlieferungen an die syrischen Aufständischen zu destabilisieren. Dschalili traf mit weiteren Mitgliedern der syrischen Führung zusammen.

Aufständische in der Defensive

Die Lage der Rebellen in Aleppo ist zunehmend prekär. Im Kampf gegen die mit Panzern, Hubschraubern und Kampfflugzeugen vorrückende Armee geht ihnen nach Darstellung von Kommandeuren die Munition aus. Zusätzlich schränkten Scharfschützen die Beweglichkeit ihrer Kämpfer ein. "Die syrische Armee will uns von Salaheddine von zwei Seiten einnehmen", sagte ein Rebellenkommandeur.

Angriffe mit Granatwerfern und Panzern zwangen die Aufständischen am Morgen, in den Trümmern beschädigter Häuser und in den Gassen des Stadtteils in Deckung zu gehen. Panzer stießen in Teile von Salaheddine vor. Unter dem Schutz des schweren Beschusses gingen Scharfschützen auf Dächern in Stellung. Gleichwohl versicherten die Aufständischen, noch hielten sie die Hauptstraßen von Salaheddine.

Wegen des Ausfalls vieler Pharmafirmen in Syrien sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Versorgung von Verletzten und chronisch Kranken gefährdet. Es fehle vor allem an Medikamenten für chronisch Kranke. Viele Unternehmen hätten die Herstellung von Medikamenten eingestellt, erklärte die WHO. 90 Prozent der Pharmahersteller seien im ländlichen Raum um die umkämpften Großstädte Damaskus, Aleppo und Homs ansässig.