Russland schickt nach Angaben eigener Militärs drei große Landungsboote in die syrische Hafenstadt Tartus, in der es einen Marinestützpunkt unterhält. Jedes der Kriegsschiffe habe bis zu 120 Marineinfanteristen an Bord, berichteten mehrere russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den Generalstab. Die Schiffe befänden sich bereits im Mittelmeer und würden Ende der Woche in Syrien eintreffen.

Aus welchem Grund die Schiffe ausgelaufen sind, ist nicht bekannt. Russland hatte aber angekündigt, Soldaten nach Syrien zu entsenden, sollte dies für den Schutz von Landsleuten oder zum Abzug von Material von dem Stützpunkt nötig werden. Tartus ist einer der wenigen Stützpunkte der russischen Seestreitkräfte außerhalb der ehemaligen Sowjetunion .

Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Am Veto Russlands sind bereits mehrere Resolutionen im UN-Sicherheitsrat gegen Syrien gescheitert. Unter anderem wegen der Uneinigkeit im höchsten UN-Gremium hatte am Donnerstag der Sondergesandte der Vereinten Nationen , Kofi Annan , seinen Rücktritt erklärt.

Der französische UN-Botschafter Gérard Araud forderte, ein Nachfolger für Annan müsse gefunden werden. Es dürfe keine Meinungsverschiedenheiten darüber geben, dass "wir den Millionen Syrern, die leiden, Hilfe zur Verfügung stellen müssen", sagte Araud. Frankreich hat für den August turnusmäßig den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat übernommen.

Araud kündigte zugleich an, dass die UN-Beobachtermission am 19. August Syrien verlassen werde. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin sprach sich dafür aus, die Beobachter-Mission zu verlängern. Die Rolle der Beobachter dürfe künftig nicht mehr nur "symbolisch" sein, sagte Tschurkin. Vielmehr sollten sie die Möglichkeit zu einer echten "militärischen Überwachung" erhalten.

Wird Beobachtermission fortgesetzt?

Auch der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich für eine Fortsetzung der UN-Präsenz nach Ablauf des Mandats der Beobachtermission Unsmis am 19. August aus. "Es ist die Sichtweise des Generalsekretärs, dass die UN auf irgendeine Art und Weise in Syrien bleiben müssen", sagte UN-Untergeneralsekretär Hervé Ladsous. Ban werde dem Sicherheitsrat Vorschläge unterbreiten, wie die Fortsetzung aussehen könne. Details dazu gebe es noch nicht.

Eine Verlängerung der Beobachtermission Unsmis ist an die Bedingungen geknüpft, dass sich die Situation in Syrien bessert und keine zivilen Ziele mehr bombardiert werden. Beides ist momentan nicht in Sicht. Daher müsste für eine weitere Präsenz eine neue Lösung gefunden und eine neue Resolution verabschiedet werden. Über mögliche Inhalte dieser Resolution gibt es jedoch großen Streit im Sicherheitsrat. Der UN-Sicherheitsrat will am 16. August über das weitere Vorgehen beraten.

Rebellen im Besitz schwerer Waffen

Die Aufständischen in Syrien verfügen über schwere Waffen. Dies bestätigte Ladsous. "Das wissen wir sicher. Wir haben aber noch nicht beobachtet, dass sie sie auch gegen das syrische Militär eingesetzt haben", sagte er.  Es gehörten Panzer und Schützenpanzerwagen dazu. Er nannte aber nicht, wer die Waffen geliefert haben könnte. Ein Teil stammt nach Einschätzung von Diplomaten von Überläufern aus der syrischen Armee, die nun die Rebellen unterstützen. Ladsous war Ende Juli in Syrien gewesen und hatte den Sicherheitsrat auf einem Treffen hinter verschlossenen Türen über die aktuelle Lage in dem Konfliktland informiert. Es gebe im umkämpften Aleppo "einen bemerkenswerten Aufbau von militärischem Gerät, der uns glauben lässt, dass der Hauptkampf kurz bevor steht." Auch in Damaskus seien regelmäßig weiter Explosionen zu hören. Die Gewalt in Syrien nehme immer weiter zu, sagte er weiter.

Bewohnern zufolge sind am Donnerstag in Kämpfen zwischen Armee und Aufständischen wieder zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Allein in Hama in Zentralsyrien sollen Soldaten mindestens 50 Menschen getötet haben. Die Regierungstruppen hätten während der Durchsuchung eines Stadtteils Mitglieder dreier Familien umgebracht. In Damaskus kamen durch einen Einschlag mehrerer Granaten mindestens 20 Bewohner eines Palästinenserlagers ums Leben, berichteten Ärzte.