Die türkischen Behörden haben damit begonnen, Syrer an einer Flucht über die Grenze zu hindern. Wegen der schnell wachsenden Zahl von Flüchtlingen wolle die Türkei nicht mehr alle Syrer aufnehmen, berichteten türkische Medien. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, mindestens 2.000 Menschen seien daran gehindert worden, über Nacht einen der inoffiziellen Grenzübergänge in der südlichen Provinz Hatay zu überqueren.

Ein Regierungsvertreter bestätigte die Berichte, ohne Details zu der neuen Praxis zu nennen. Ein Beamter sagte, den Flüchtlingen würden Nahrungsmittel durch die mit Stacheldrahtzaun gesicherte Grenze gereicht.

An der syrischen Grenze zur Türkei befinden sich nach türkischen Angaben inzwischen rund 7.000 syrische Flüchtlinge. Etwa 5.000 Flüchtlinge warteten auf der syrischen Seite des Grenzübergangs Oncupinar, 2.000 weitere am Übergang Reyhanli, sagte ein türkischer Diplomat.

Die Türkei hat die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet. Die Konvention verbietet es den Unterzeichnern, einen Flüchtling über die Grenzen von Gebieten auszuweisen oder zurückzuweisen, "in denen sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht sein würde".

Lob für die Türkei – aber keine finanzielle Hilfe

Die Zahl syrischer Flüchtlinge in der Türkei hat sich in den vergangenen zwei Monaten verdoppelt. Mehr als 80.000 Syrer sind in die Türkei geflüchtet. Einem Beamten zufolge loben die Vereinten Nationen die Türkei und die zuständigen Staaten für deren Flüchtlingsarbeit, "aber all diese Kommentare verschleiern die Krise". Obwohl einige Länder zum Beispiel Zelte lieferten, sei die allgemeine Reaktion sehr langsam gewesen, kritisierte der Beamte. Zwar habe es Versprechungen gegeben, aber die Türkei habe bislang keine finanzielle Unterstützung erhalten.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu hatte vergangene Woche angekündigt, dass die Türkei an die Grenze ihrer Kapazitäten komme, wenn die Zahl der Flüchtlinge 100.000 übersteigen würde. Davutoğlu hatte eine Schutzzone auf syrischem Boden gefordert.

Die Türkei baut an neuen Flüchtlingslagern, was aber nicht so schnell geht, wie neue Flüchtlinge eintreffen. Bereits jetzt sind einem Beamten zufolge viele der zuletzt angekommenen Flüchtlinge in Schulen und Sportzentren untergebracht. Da in einigen Wochen die Schulzeit wieder losgeht, könne diese Lösung jedoch nicht von Dauer sein.