In Angola hat die regierende Partei MPLA die Parlamentswahl klar gewonnen. Der 70-jährige Staatspräsident José Eduardo dos Santos kann damit seine seit 33 Jahren dauernde Herrschaft fortsetzen. Für die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola – Volksbewegung für die Befreiung Angolas) votierten rund 74 Prozent der Wähler, sagte eine Sprecherin der Wahlkommission in der Hauptstadt Luanda nach Auszählung von 68 Prozent der Stimmen. Es war erst die zweite Wahl in dem südwestafrikanischen Land seit dem Ende des Bürgerkriegs 2002.
Die größte Oppositionspartei, die frühere Rebellengruppe Unita, die nach der Unabhängigkeit Angolas von Portugal seit 1975 in einem 27-jährigen Krieg gegen die MPLA gekämpft hatte, kam diesen Angaben zufolge auf etwa 18 Prozent. Die im März gegründete Casa-Partei des Unita-Abweichlers Abel Chivukuvuku erhielt 4,6 Prozent. Knapp zehn Millionen Wähler waren für den Urnengang registriert. Die Wahlbeteiligung wurde mit 57 Prozent angegeben. Angola hat derzeit 19,6 Millionen Einwohner.
Die Wahl verlief nach Angaben der Polizei ohne Zwischenfälle. Der Leiter der Wahlbeobachter der Afrikanischen Union, der ehemalige kapverdische Präsident Pedro Verona Pires, beschrieb die Organisation des Wahlgangs als "zufriedenstellend".
Beide Oppositionsparteien kritisierten die Wahl hingegen als nicht frei und unfair. Dem schloss sich ein Beobachter der südafrikanischen Initiative für eine offene Gesellschaft, Elias Isaac, mit einer sarkastischen Bemerkung an: Er sei überrascht, dass die MPLA angesichts der Manipulation nicht 90 Prozent der Stimmen erhalten habe. Gegenüber der Wahl von 2008 verlor die MPLA nach dem vorläufigen Ergebnis sieben Prozentpunkte.
Die MPLA, die das Land seit 1979 regiert, hatte als klarer Favorit gegolten. Die Angolaner entschieden über die Verteilung von 220 Sitzen im Parlament. Nach der 2010 geänderten Verfassung wird der Chef der stärksten Partei automatisch Staatspräsident.
Ölreichtum und große Armut
Angola ist nach Nigeria der zweitgrößte Ölproduzent Afrikas; Hauptabnehmer des Öls aus angolanischer Förderung ist China . Die Opposition kritisiert, dass der neue Reichtum des Landes nur einer Elite zugute komme. Immer noch lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, es herrscht Massenarbeitslosigkeit. Die Schere zwischen Arm und Reich ist groß. 87 Prozent der Städter leben in Elendsvierteln, wo sie häufig keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Dem Präsidenten dos Santos werden Korruption und eine autoritäre Amtsführung vorgeworfen.
Das boomende Angola
ist neben
Brasilien
und Macau das
bevorzugte Auswanderungsziel junger Portugiesen
, die für sich zu Hause keine Zukunft mehr sehen.