Von der wirtschaftlichen Liberalisierung nach der Machtübernahme Baschar al-Assads im Jahr 2000 profitierte vor allem die Oberschicht. Mitglieder seines eigenen Klans wusste der Präsident ebenfalls bestens zu versorgen. Berühmtestes Beispiel ist Rami Makhlouf, Cousin des Präsidenten und bis zum angeblichen Verkauf seiner Unternehmensbeteiligungen im Juni 2011 Eigentümer des Mobilfunkanbieters Syria Tel und diverser anderer Konzerne. Der Aufstand im Frühjahr 2011 richtete sich zunächst gegen die Monopolstellung Makhloufs. Seine Geschäfte werden von der Freien Syrischen Armee meist zur Plünderung freigegeben.

Die Mehrheit der Syrer, sogar die Mehrheit der Alawiten, profitierte von der Entwicklung privater Unternehmen nur bedingt. So kann Baschar al-Assad auf eine große Gruppe wirtschaftlich abhängiger, aber loyaler Unterstützer zurückgreifen. Zu Zehntausenden dienten sich diese Parteigänger als Schläger oder Informanten für einen der zahlreichen Geheimdienste an – heute sind diese Parteimilizen als Schabiha bekannt.

Stimmung dreht sich gegen Alawiten insgesamt

Eine Gruppe, die lange Jahre nur ein untergeordnetes Problem für die Zentralregierung darstellte, waren die Kurden Nordsyriens. Nachdem mehrere syrische Divisionen im Laufe des Jahres aus den nördlichen Provinzen abgezogen wurden, übernahm der im Oktober 2011 gegründete kurdische Nationalrat zahlreiche administrative Aufgaben und formuliert inzwischen lautstark die Forderung nach mehr Unabhängigkeit unter einer neuen syrischen Regierung. Die Anhänger des Regimes hören das mit großer Sorge; sie haben vor Augen, wie der Libanon und der Irakkrieg in den Bürgerkrieg rutschten, als eine starke Zentralregierung fehlte.

Dass sich die Stimmung unter vielen Kämpfern und Anhängern der Oppositionsbewegung mehr und mehr gegen die Alawiten insgesamt richtet, zeigen jüngste Berichte von Kriegsverbrechen durch die Freie Syrische Armee. Nach einem Machtwechsel könnte dies zu weiteren Angriffen auf die religiöse Minderheit führen und deren Rolle im Staat insgesamt wieder beschneiden. Eine vollständige militärische Niederlage der syrischen Armee würde das Rückgrat der Baath-Partei indes brechen – für den syrischen Staat ist das eine einmalige Chance, den Panzer aus Sicherheitsdiensten endgültig abzustreifen.