Das oberste Machtzentrum der Kommunistischen Partei (KP) Chinas ist von einem weiteren Skandal erschüttert worden, in dessen Zentrum ein enger Vertrauter von Präsident Hu Jintao steht. Staatlichen Medienberichten zufolge wurde Ling Jihua als Chef im Sekretariat des mächtigen Politbüros entlassen und auf eine niedere Stelle versetzt.

Grund für die Degradierung des 55-Jährigen soll der tödliche Autounfall seines Sohnes in einem teuren Sportwagen sein. Dieser Vorfall gilt als pikant für die KP, weil er dazu beiträgt, dass die Partei mit dem Unmut in der chinesischen Bevölkerung über den privilegierten Lebensstil von Funktionärskindern zu kämpfen hat.

Es soll ein Ferrari sein, mit dem Lings Sohn im März verunglückte. In der chinesischen Öffentlichkeit hatte der Unfall für Aufruhr gesorgt, als eine Zeitung über die Zensur berichtete, die über das Ereignis verhängt worden war. Informationen über den Unfall seien im Internet gelöscht worden, meldete damals die chinesische Global Times . Inzwischen sind sämtliche Blog-Beiträge über den Unfall verschwunden und Suchanfragen unter anderem mit dem Wort Ferrari werden in China blockiert.

Unfallhergang bleibt ungeklärt

Zudem soll der Name im Totenschein geändert worden sein, um die Sache zu vertuschen. Der Zeitung South China Morning Post zufolge steht in dem Dokument der Name Jia, was genauso ausgesprochen wird wie das chinesische Wort für Fälschung. Der Zeitung zufolge hieß der Sohn tatsächlich Ling Gu. Allerdings gibt es auch Spekulationen, ob der Mittzwanziger in dem Unfall wirklich getötet wurde. In dem Unglücksfahrzeug sollen drei junge Leute gesessen haben. Laut South China Morning Post wurden bei dem Unfall zwei Frauen verletzt.

Ein ehemaliger KP-Funktionär sagte, der Parteiführung sei der Skandal zu heikel geworden. Deshalb habe Ling Jihua nicht wie geplant ins Politbüro befördert werden können. Präsident Hu habe dem nichts entgegensetzen können und gilt im Machtkampf um die künftige Ausrichtung der Partei nach dem Ende seiner Amtszeit als geschwächt.

Chinas Kommunistische Partei steht kurz vor einer etwa alle zehn Jahre stattfindenden Machtübergabe an eine jüngere Führungsmannschaft. Hu soll voraussichtlich im Oktober bei einem Parteitag sein Amt als Generalsekretär niederlegen. Im März soll er dann auch das Präsidentenamt an seinen derzeitigen Vize Xi Jinping übergeben.