Mindestens 100.000 Anhänger der Opposition haben in der georgischen Hauptstadt Tiflis kurz vor der Parlamentswahl gegen die Regierung von Präsident Michail Saakaschwili demonstriert. Die Unterstützer des Oppositionsführers Bidsina Iwanischwili versammelten sich zum Wahlkampfabschluss auf dem Freiheitsplatz in Tiflis. Viele schwenkten Fahnen der Opposition und skandierten " Georgien , Georgien".

Iwanischwilis Oppositionskoalition stellt den prowestlichen Saakaschwili bei der Wahl vor die größte Herausforderung seit seiner Amtsübernahme vor fast neun Jahren. Der Ausgang der Wahl ist völlig offen.

Bis vor Kurzem deuteten die Umfragen auf einen Wahlsieg Saakaschwilis hin. Doch dann tauchten Videoaufnahmen auf, die Gefängniswärter bei der Folter von Häftlingen zeigen. Zwei Minister sind deswegen inzwischen zurückgetreten und die Regierungspartei hat ihren klaren Vorsprung verloren.

Saakaschwili verliert viele Stimmen in Tiflis

Herausforderer Iwanischwili sprach der Regierung deshalb das "moralische Recht" ab, das Land zu führen. Vor seinen Anhängern in Tiflis sagte er, dass Saakaschwilis Regierung auf "Gesetzlosigkeit und Folter" beruhe. Die Opposition klagte im Wahlkampf über eine Atmosphäre der Einschüchterung. Dutzende Regierungsgegner wurden während Kundgebungen festgenommen . Die Polizei bestreitet politische Motive.

Saakaschwili hält mit seiner regierenden Vereinten Nationalen Bewegung (ENM) derzeit fast 80 Prozent der Sitze im georgischen Parlament. Allerdings hat die Unterstützung für ihn vor allem in Tiflis, wo ein Drittel der georgischen Bevölkerung lebt, massiv abgenommen.

Der Präsident bemüht sich um eine engere Anbindung Georgiens an EU und NATO . Der Milliardär Iwanischwili und die von ihm gegründete Partei Georgischer Traum wollen die Beziehungen zu Russland wieder normalisieren. Von Saakaschwilis Regierung wird Iwanischwili als Marionette Moskaus bezeichnet.