Die britische Regierung soll ihrer Zusage nicht nachgekommen sein, die Vermögen von Mitgliedern des gestürzten ägyptischen Mubarak-Regimes einzufrieren. Dies berichtet der britische Nachrichtensender BBC . Demzufolge geht aus öffentlichen Dokumenten hervor, dass sich Grundstücke und Firmen im Wert von mehreren Millionen Euro in Großbritannien noch immer im Besitz ehemaliger ägyptischer Politiker befinden.

Zu den Vermögenswerten sollen unter anderem Luxushäuser in den Londoner Stadtteilen Knightsbridge und Chelsea gehören. Einem Mitglied des Mubarak-Kreises soll es sogar möglich gewesen sein, in Großbritannien ein Unternehmen zu gründen, obwohl der Mann auf einer schwarzen Liste des Finanzministeriums stand (pdf) .

Die Mubarak-Vertrauten hatten die Vermögen zum Teil noch kurz vor dem Sturz des Regimes im Ausland angelegt. Nach dem Rücktritt des Präsidenten im Februar 2011 hatte sich Großbritannien zwar bereit erklärt, die Konten und Vermögen von Politikern der Regierung zu sperren. Dem Bericht zufolge vergingen allerdings danach noch 37 Tage, bis diese Sanktionen umgesetzt wurden – laut BBC genug Zeit, das Geld sicher aus dem Land zu transferieren. 

Die Schweiz hatte das Geld des Mubarak-Clans eine halbe Stunde nach dessen Demission gesperrt. Während die Schweiz 600 Millionen Euro gesperrt habe, seien es in Großbritannien nur etwas mehr als 100 Millionen Euro – nichts davon ist bisher nach Ägypten zurückgeflossen.

Mitglieder der neuen ägyptischen Regierung werfen Großbritannien vor, Vermögenswerte absichtlich nicht finden zu wollen, um ihre Verhältnisse zum arabischen Finanzsektor nicht zu gefährden. Großbritannien erwarte weitere Informationen, mit denen die ägyptische Seite nicht dienen könne, sagte Assem al-Gohary, Vorsitzender der ägyptischen Korruptionsbehörde. Die Regierung verstoße damit gegen internationale Anti-Korruptionsgesetze.

Die britische Regierung reagierte zurückhaltend auf die Vorwürfe. Man arbeite eng mit den ägyptischen Behörden zusammen, um gestohlene Vermögenswerte zurückzuführen. Allerdings müssten solche Vorgänge rechtmäßig ablaufen. "Es ist dem Vereinigten Königreich nicht möglich, einer Person ohne Verurteilung und Konfiszierungsbefehl ihre Vermögenswerte zu nehmen und ins Ausland zu übertragen."