In der ostlibyschen Hafenstadt Bengasi haben Bewohner in der Nacht zum Samstag mehrere Lager islamistischer Milizen gestürmt. Nach Berichten des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira wurden dabei durch Schusswechsel mindestens drei Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Die Nachrichtenagentur AFP schreibt unter Berufung auf Ärzte von mindestens vier Toten und 40 weiteren Verwundeten.

Den Ausschreitungen vorausgegangen war am Freitagnachmittag eine Demonstration von etwa 30.000 Menschen gegen Gewalt und die bewaffneten Islamisten beteiligt. Hunderte Demonstranten stürmten dabei zunächst die Kaserne der Salafisten-Gruppe Ansar al-Scharia im Zentrum von Bengasi . Die zum Teil mit Schwertern und Fleischerbeilen bewaffneten Demonstranten hätten die Kämpfer aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen, und sie aus dem Lager vertrieben. Die Menschen riefen " Libyen , Libyen", "Weg mit Al-Kaida" oder "Das Blut, das wir für die Freiheit vergossen haben, soll nicht umsonst gewesen sein." Auf Fernsehbildern waren brennende Gebäude und Fahrzeuge zu sehen.

Als die Menge ein weiteres Milizen-Lager in der Stadt stürmen wollte, ist sie Berichten zufolge von deren Kämpfern aus Maschinengewehren beschossen worden. Mehrere Angreifer seien verletzt worden.

Die schwer bewaffneten Milizen sind im nach-revolutionären Libyen zu einem der schwierigsten Probleme geworden. Viele Libyer werfen ihnen vor, die Zivilbevölkerung nach ihren radikalen Vorstellungen zu gängeln. In Libyen operieren noch immer zahlreiche Milizen, die teils besser bewaffnet sind als offizielle Sicherheitskräfte. Etliche Demonstranten sagten, Polizei und Militär hätten sie beim Sturm auf das Gebäude von Ansar al-Scharia unterstützt.

"Libyen hat einen Freund verloren"

Der Ansar-al-Scharia-Miliz werden Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida nachgesagt. Sie wird verdächtigt, am Angriff auf das US-Konsulat in der vergangenen Woche beteiligt gewesen zu sein. Aus Protest gegen einen anti-islamischen Film aus den USA hatten Angreifer am 11. September die US-Botschaft gestürmt, dabei sind der Botschafter Christopher Stevens und drei weitere US-Bürger getötet worden. Die Kommandeure der Miliz bestreiten allerdings jede Beteiligung an dem Angriff.

Bei der Demonstration am Freitagabend trauerten Demonstranten auch um Stevens und die anderen drei Amerikaner. Einige trugen Schilder mit der Aufschrift: "Der Botschafter war Libyens Freund" und "Libyen hat einen Freund verloren".

Weltweit hat es am Freitag weitere, teils gewalttätige Proteste gegen den Film und französische Mohammed-Karikaturen gegeben. In Pakistan wurden bei Ausschreitungen mindestens 17 Menschen getötet, mehr als 200 wurden verletzt. Zudem erreichten die Proteste Deutschland, wo sich insgesamt mehr als 1.000 Teilnehmer in mehreren Städten versammelten.

In New York hat die Gruppierung American Freedom Defense Initiative (AFDI) für Montag den Beginn einer anti-islamischen Plakataktion in der New Yorker U-Bahn angekündigt. Auf den Plakaten wird dazu aufgerufen, den Dschihad zu bekämpfen und die "Zivilisierten" zu unterstützen. Militante Muslime werden als "Wilde" tituliert. Von der Beobachtungsstelle Southern Poverty Law Center wird die AFDI als "sichtbarstes Aushängeschild" der anti-muslimischen Tendenzen in den USA eingestuft. Um die Plakataktion durchzusetzen, zog die AFDI vor Gericht. Sie beanspruchte dafür das Recht auf "freie Meinungsäußerung".