Mit eindringlichen Worten hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Vollversammlung der Vereinten Nationen vor einem mit Atomwaffen bewaffneten Iran gewarnt. Nichts stelle eine größere Gefahr für den Weltfrieden dar als ein Iran, der in den Besitz nuklearer Waffen gelangt sei.

Netanjahu verlangte daher eine "klare rote Linie" gegen das iranische Atomprogramm. Der Iran müsse auf jeden Fall daran gehindert werden, in die letzte Stufe der Urananreicherung einzusteigen. Würde dies nicht verhindert werden, wäre der Iran nur noch "wenige Monate oder wenige Wochen" von der Atombombe entfernt, warnte Netanjahu.

Die diplomatischen Bemühungen hätten das Streben des Irans nach Atomwaffen nicht aufgehalten, sagte der Ministerpräsident. Die Regierung in Teheran habe die Verhandlungen vielmehr genutzt, um "Zeit zu kaufen". Auch die scharfen Sanktionen gegen Teheran hätten das iranische Atomprogramm nicht stoppen können. Jetzt gehe es um das "Überleben meines Landes", sagte Netanjahu.

"Rote Linien führen nicht zu Krieg. Rote Linien verhindern Krieg", sagte er. Während des Kalten Krieges habe die Bündnispflicht der Nato, nach der ein Angriff auf ein Mitgliedsland als Attacke auf die gesamte Allianz gilt, zur Erhaltung des Friedens in Europa beigetragen. Netanjahu zeigte sich überzeugt, dass die iranische Regierung nachgeben werde, sollten ihr klare Grenzen aufgezeigt werden.

Obama drängt Netanjahu zur Zurückhaltung

Der Iran steht im Verdacht, unter dem Vorwand eines zivilen Atomprogramms nach Nuklearwaffen zu streben. Netanjahus Regierung drohte bereits mehrfach mit einem Präventivschlag gegen iranische Atomanlagen, um Teheran am Bau der Bombe zu hindern. Auch die USA haben einen Militärangriff als letztes Mittel nicht ausgeschlossen, Präsident Barack Obama drängt Israel aber zur Zurückhaltung.

Das Vorpreschen Netanjahus hat zu Spannungen zwischen den beiden engen Verbündeten geführt. Die US-Regierung hat die Forderung nach genau definierten "roten Linien" bislang zurückgewiesen. Allerdings stellte Obama vor der UN-Vollversammlung klar, dass er einen nuklear bewaffneten Iran nicht akzeptieren würde.

Die USA würden "alles tun, was sie müssen", um Teheran die Atombombe zu verwehren. Ein Iran mit Atomwaffen berge die Gefahr einer "Auslöschung Israels", sagte der Präsident. Außerdem wären die Sicherheit der Golfstaaten und die Stabilität der Weltwirtschaft bedroht.