Mit dem Versprechen eines Auswegs aus der Krise hat sich US-Präsident Barack Obama in einer kämpferischen Parteitagsrede um eine zweite Amtszeit beworben. Zuvor hatte er unter dem Jubel seiner Anhänger seine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten für die Wahl am 6. November angenommen.

Die Wahl erklärte er zu einer Generationenentscheidung über zwei unterschiedliche Visionen für Amerika . In den kommenden Jahren stünden "große Entscheidungen" über die Wirtschafts- und Energiepolitik sowie das Bildungssystem an, sagte Obama vor gut 20.000 Zuhörern in der Warner Arena in Charlotte/ North Carolina . "Die Wahrheit ist, dass wir mehr als einige wenige Jahre brauchen werden, um die Herausforderungen zu lösen, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben", sagte der Präsident. "Unser Weg ist härter, aber er führt zu einem besseren Ort."

 Wegen drohender Unwetter fand die Abschlussveranstaltung des Nominierungsparteitages nicht wie geplant in einem Sportstadion unter freiem Himmel statt, in das über 60.000 Menschen gepasst hätten.

Obama kehrte zu seiner Botschaft "Hope and Change" zurück, die ihn 2008 als ersten Afroamerikaner ins Weiße Haus getragen hatte. Die Hoffnung sei in den vergangenen Jahren "geprüft" worden, räumte der Präsident ein. "Ich habe nie gesagt, dass diese Reise einfach sein würde, und ich werde es jetzt auch nicht versprechen." Aber gemeinsam könne das Land den Wandel schaffen.

Billionen-Ausgaben für die Reichen

Obama formulierte in seiner etwa 40 Minuten dauernden Rede eine Reihe von Zielen, um die USA in eine bessere Zukunft zu führen. Dazu gehört, dass er eine Million neuer Industriejobs bis Ende 2016 schaffen will. Zudem will er die Exporte bis 2014 verdoppeln. Der Ölimport soll bis 2020 um die Hälfte schrumpfen. Außerdem versprach Obama, den Klimawandel zu bekämpfen. Das Haushaltsdefizit will er um vier Billionen Dollar reduzieren.

Im November stünden "zwei grundsätzlich verschiedene Visionen für die Zukunft" zur Wahl, erläuterte Obama. Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney wolle den Staatshaushalt mit "Billionen-Ausgaben für neue Steuergeschenke für die Reichen" sanieren. "Tja, rechnet das mal aus", sagte er. Die Republikaner setzten weiter auf "die gleichen Rezepte der vergangenen dreißig Jahre", die in die Krise geführt hätten.

Fotos vom Parteitag: Klicken Sie auf das Bild!© Alex Wong/Getty Images

In der Außenpolitik brandmarkte der Präsident den 65-Jährigen als Neuling, der sich mit einer missglückten Auslandsreise im Juli auf dem internationalen Parkett bereits unmöglich gemacht habe. "In einer Welt neuer Bedrohungen und neuer Herausforderungen könnt Ihr die Führung wählen, die getestet wurde und sich bewährt hat", sagte Obama. Außerdem verrate sein Kontrahent nicht, wie er den Militäreinsatz in Afghanistan beenden wolle.

Umarmung mit Ehefrau Michelle

Obama hat in Umfragen nur einen hauchdünnen Vorsprung vor Romney. Die Wähler trauen dem Republikaner eher zu, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Die Arbeitslosenquote in den USA stand im Juli bei 8,3 Prozent, am Freitag wollte das Arbeitsministerium in Washington neue Zahlen vorlegen.

Die knapp 6.000 Delegierten auf dem Parteitag hatten Obama bereits in der Nacht zum Donnerstag offiziell nominiert, nachdem ihn der frühere Präsident Bill Clinton in einer umjubelten Rede als neuerlichen Spitzenkandidaten vorgeschlagen hatte. Obama hatte keine parteiinternen Herausforderer. Vizepräsident Joe Biden wurde erneut als Kandidat für dieses Amt nominiert. Obama habe es geschafft, das Blatt zu wenden, aber es sei noch viel zu tun, sagte Biden. "Zusammen befinden wir uns auf einer Mission, diese Nation vorwärts zu bewegen", sagte der Vize.

Der Präsident nahm unter den Sprechchören "Four more years" ("Vier weitere Jahre") die Nominierung an, auf der Bühne umarmte er seine Frau Michelle. Nach der Rede kamen auch seine Töchter Malia und Sasha auf die Bühne.