US-Präsident Barack Obama hat die abfälligen Äußerungen seines republikanischen Kontrahenten Mitt Romney über einkommensschwache Bürger zurückgewiesen. Es sei falsch, dass insbesondere seine Wähler von der Regierung verlangten, für sie zu sorgen, sagte Obama am Dienstag in der TV-Show Late Night von David Letterman. "Es gibt nicht viele Menschen, die denken, sie hätten Anspruch auf irgendetwas", sagte er.

Er reagierte damit auf ein Video, in dem Romney vor reichen Spendern rund die Hälfte der US-Bürger in die Nähe von Sozialschmarotzern gerückt hatte, die Ansprüche an die Regierung stellten. Romney hatte gesagt, es sei nicht seine Aufgabe, sich um diese Menschen zu kümmern.

Das US-Magazin Mother Jones hatte Auszüge des heimlich aufgenommenen Videos auf seiner Internetseite veröffentlicht, das Romneys Rede zeigt. Darin sprach er über jene "47 Prozent der Menschen", die im November ohnehin für Obama stimmen würden, die sich als "Opfer" verstünden und keine Einkommenssteuern zahlten.

Obama bezeichnete es als Fehler, einen großen Teil der Bevölkerung abzuschreiben. "Als Präsident repräsentiert man das gesamte Land. Wenn man Präsident sein will, muss man für jeden arbeiten." Es gebe nur wenige Menschen in den USA , die sich als Opfer betrachteten, sagte Obama dazu.

Romney verteidigte unterdessen seine Aussagen. Sie verdeutlichten, dass er an die freie Marktwirtschaft glaube statt an die Großzügigkeit des Staates, sagte er in einem Interview des TV-Senders Fox News. Der Präsident dagegen stehe für eine Umverteilung des Wohlstands. "Ich glaube, eine Gesellschaft, in der der Staat eine immer größere Rolle spielt, verteilt Geld um – und das ist der falsche Weg für Amerika ", sagte er.

Jimmy Carters Enkel organisierte Video-Veröffentlichung

Zu seiner Kritik, dass 47 Prozent der Wähler keine Einkommenssteuer zahlten, sagte Romney: "Ich glaube, die Menschen würden gern Steuern zahlen." Das sei ein Zeichen, dass es einem finanziell gut genug gehe.

Hinter der Veröffentlichung des Videos steht ein Enkel des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter. James Carter IV. sagte, er habe denjenigen, der die Äußerungen heimlich aufgenommen habe, überzeugt, den Film den Medien zu übergeben. Er habe zunächst einen kurzen Clip auf YouTube entdeckt und dann via Twitter den Verfasser ausgemacht. Wer das Video aufgenommen hat, wurde nicht bekannt. Ex-Präsident Carter soll begeistert reagiert haben: "James: Das ist außergewöhnlich. Glückwunsch!", schrieb er in einer Mail, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

Im Duell zwischen Obama und Romney hatte es lange Zeit nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Wahl am 6. November ausgesehen. Eine ganze Reihe von Pannen in Romneys Wahlkampf hat diesen jedoch zurückgeworfen. Sieben Wochen vor der Wahl liegt der Präsident nun in Umfragen vorn .