"Fired up? Ready to go!" – dieser Schlachtruf von vor vier Jahren war inmitten der schweren Wirtschaftskrise und der Enttäuschung über die Langsamkeit des Wandels völlig verstummt. Am Ende von Barack Obamas Nominierungsrede auf dem Parteitag der Demokraten skandierten ihn seine etwa 20.000 Anhänger wieder minutenlang. Ob er bis zur Präsidentenwahl am 6. November wieder Hallen und Plätze erzittern lässt, wird sich noch zeigen.

Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney liegen in den Umfragen nahezu gleichauf. Die Begeisterung und mitreißende Emphase für den schwarzen Präsidentschaftskandidaten von 2008 lassen sich nicht wiederholen.

Das liegt zum einen in der Natur der Sache, Obama ist kein Neuling mehr, die Neugier nimmt zwangsläufig ab. Zudem ist die Stimmung im Volk eher ein Lied in moll.

Trotzdem könnte ihm und seinen Mitstreitern auf diesem Parteitag gelungen sein, was eigentlich gegen alle Regeln der amerikanischen Geschichte ist: Dass die Amerikaner ihn trotz hoher Arbeitslosigkeit und schwacher Wirtschaftsaussichten wiederwählen. Bisher wurde – bis auf eine Ausnahme – jeder Präsident aus dem Amt gejagt, der über ein großes Heer von Arbeitslosen regierte.

Die Demokraten hatten sich für das Delegiertentreffen in Charlotte/ North Carolina drei Ziele gesetzt: motivieren, erklären und in die Zukunft weisen. Dafür boten sie Dutzende von zum Teil brillanten und mitreißenden Rednern auf. Der Parteitag glich zeitweilig einem Feuerwerk der Rhetorik, was man außerhalb von Amerika nur selten erlebt.

Fotos vom Parteitag: Klicken Sie auf das Bild!© Alex Wong/Getty Images

Bis ins letzte Detail stimmten in der Warner Arena in Charlotte Choreographie und Dramaturgie. Michelle Obama und Vizepräsident Joe Biden , die Obama tagtäglich aus allernächster Nähe sehen, illustrierten seine Persönlichkeit : den liebevollen Vater, den mitfühlenden Präsidenten, den kühlen und kühnen Oberbefehlshaber. Ex-Präsident Bill Clinton legte dar , was in den vergangenen Jahren trotz heftigen Widerstandes der Republikaner politisch schon alles erreicht wurde – und warum das gut für Amerika sei und man stolz darauf sein könne.

Eines jedenfalls lässt sich am Ende der dreitägigen Versammlung sagen: Die Stimmung ist umgeschlagen, die Demokraten sind motiviert und schalten selbstbewusst von Verteidigung auf Angriff um. Plötzlich wird sogar die im Volk immer noch weitgehend unbeliebte Gesundheitsreform wieder in Besitz genommen und laut gefeiert.

Was vor Kurzem noch undenkbar gewesen wäre: Stolz sprechen die Demokraten inzwischen selber von "Obamacare", ein Kampfbegriff, den bislang nur die Republikaner nutzten. "Yes, Obama cares", verkündete man selbstbewusst in Charlotte, ja, Obama kümmere und sorge sich.