Die US-Senatoren Joe Liebermann, John McCain und Lindsey Graham haben die Regierung in Washington aufgefordert, ihre bisherige Zurückhaltung aufzugeben und die syrischen Rebellen mit Waffen zu unterstützen . Außerdem müsse eine Sicherheitszone im Land geschaffen werden , innerhalb derer eine Übergangsregierung die Arbeit aufnehmen könne. "Wir sollten der Opposition gegen Assad Waffen liefern", sagte Lieberman, ein früherer Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten. Er war in den vergangenen Tagen mit seinen republikanischen Senatskollegen McCain und Graham durch den Nahen Osten gereist. Trotz des laufenden Wahlkampfs in den USA appellierten die Vertreter der unterschiedlichen Lager nun gemeinsam für mehr Hilfe für Syrien .

Nachdem die Gegner des syrischen Regimes einen Teil des Landes im Norden unter ihre Kontrolle gebracht hätten, könne man diese nun mit der Schaffung einer Sicherheitszone unterstützen, sagte Liebermann: "Wenn wir ihnen helfen, sich vor Assads Hubschraubern und Flugzeugen zu schützen, können sie dort eine Übergangsregierung bilden." Lieberman und McCain vertreten die Ansicht, dass Islamisten zunehmend an Einfluss in dem Konflikt gewinnen könnten, wenn der Westen sich weiter zurückhalte.

Die Zahl der Menschen, die wegen des Syrien-Krieges Hilfe brauchen, hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen seit Juli auf 2,5 Millionen verdoppelt. Deshalb würden 347 Millionen Dollar für die Unterstützung bedürftiger Menschen benötigt. Unter den Flüchtlingen seien auch mehr als eine halbe Million Kinder.

Nach dem ursprünglichen Aufruf an die internationale Gemeinschaft, 180 Millionen Dollar für die Menschen in Syrien bereitzustellen, kam allerdings bislang nur die Hälfte zusammen . UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Geberländer auf, ihre Beiträge aufzustocken. Die Europäische Union hatte am Freitag mitgeteilt, dass sie weitere 60 Millionen Euro (76 Millionen Dollar) für die Menschen in Syrien bereitstellt.

Deutschland soll Flüchtlinge aufnehmen

Nach Ansicht der Türkei soll sich auch Deutschland stärker engagieren. "Die Türkei hat bereits Hilfen im Wert von mehr als 300 Millionen Euro für geflohene Syrer mobilisiert", sagte der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslıoğlu der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung . Das sei mehr als alle EU-Länder zusammen.

In den Flüchtlingslagern der Südosttürkei seien Hilfen dringend erforderlich. Dorthin sei der größte Teil der Flüchtlinge aus dem benachbarten Syrien vor den Kämpfen geflohen . "In den von uns eingerichteten Aufnahmelagern sind jetzt gut 80.000 Flüchtlinge registriert, und täglich sind dort mehr Menschen auf Zelte, Nahrungsmittel und Medizin angewiesen", sagte Karslıoğlu . Es gehe aber nicht nur um Geld. "Deutschland und die anderen europäischen Länder müssen sich auch stärker für die Aufnahme syrischer Flüchtlinge öffnen", sagte er.

Indirekt warf er Deutschland vor, sich nur um die Christen in Syrien zu sorgen. "In Syrien geht es allerdings nicht nur um Christen", sagte Karslıoğlu . "Es geht um Menschen in Bedrängnis, denen dringend geholfen werden muss, egal welcher Religion sie angehören." Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte zu Wochenbeginn nicht ausgeschlossen, dass Deutschland künftig Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen könnte , "um ihnen zu helfen, oder sie auch medizinisch zu versorgen". Priorität habe aber die Hilfe vor Ort.

Unmittelbar nach den Forderungen der Türkei stellt Deutschland weitere zwei Millionen Euro Flüchtlingshilfe für Opfer des Syrienkonflikts zur Verfügung. Das kündigte Westerwelle bei einem Besuch im Flüchtlingslager Saatari in Jordanien an. Dort haben mehr als 30.000 Syrer vor den Kämpfen in ihrem Heimatland Zuflucht gesucht. Das Geld soll in dem Lager unter anderem die Wasserversorgung sichern. Damit beträgt die humanitäre Hilfe der Bundesregierung im Syrienkonflikt inzwischen 24 Millionen Euro.