Die US-Regierung schickt eine Anti-Terror-Einheit der Marines nach Libyen. Damit reagiert Präsident Barack Obama auf den Angriff des US-Konsulats in Bengasi. Aus Kreisen des Pentagon hieß es, rund 50 Soldaten gehörten der Einheit an.

Obama erklärte, er habe seine Regierung angewiesen, alles Notwendige zu veranlassen, um den Schutz des US-Personals in Libyen und die Sicherheit von US-Botschaften in aller Welt zu gewährleisten. Die USA werden mit der libyschen Regierung zusammenarbeiten, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. "Machen Sie sich keine falschen Vorstellungen: Zusammen mit der libyschen Regierung werden wir für Gerechtigkeit sorgen", sagte Obama.

Gleichzeitig bestätigte Obama, dass bei dem Angriff der US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet wurden. Die Nation betrauere den Verlust der Amerikaner, doch ihre Arbeit werde fortleben, sagte er.

Militante Islamisten hatten das US-Konsulat mit Brandbomben und Panzerfäusten angegriffen. Sie hatten sich dort versammelt, um gegen einen in den USA produzierten islamfeindlichen Filmtrailer zu protestieren. Auch in Kairo hatten aufgebrachte Muslime versucht, in die US-Botschaft einzudringen. Sie erkletterten die Mauer der Botschaft und rissen die US-Flagge herunter. An die Wand des Botschaftsgebäudes sprühten sie am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September den Namen Osama bin Ladens.

Am Mittwoch haben Dutzende Palästinenser im Gaza-Streifen US-Flaggen verbrannt und "Tod für Amerika" skandiert. Unterstützt wurde der Protest vom Volkswiderstandskomitee, einer militanten Gruppierung, die mit der regierenden Hamas verbündet ist. Auch sie verurteilte den Film. Der für religiöse Angelegenheiten zuständige Hamas-Minister Ismail Radwan nannte den Streifen eine "Beleidigung für Millionen Muslime auf der ganzen Welt".

Religion rechtfertigt keine Gewalt

US-Präsident Obama sagte, die USA lehnten jedwede Verunglimpfung religiöser Überzeugungen ab. "Aber es gibt absolut keine Rechtfertigung für diese Art sinnloser Gewalt. Keine."

Zugleich versicherte Obama, der Angriff habe nicht zum Bruch der Beziehungen zwischen den USA und Libyen geführt. Libysche Sicherheitskräfte hätten gemeinsam mit US-Kräften gegen die Angreifer auf das Konsulat gekämpft. Außerdem hätten Libyer einigen Diplomaten geholfen, in Sicherheit zu gelangen, sagte der Präsident.

Angst vor weiteren Ausschreitungen

International wurde die Gewalt scharf verurteilt. "Solche Gewalt gegen diplomatische Einrichtungen kann und darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung, des politischen Handelns sein", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Zugleich wuchs die Angst vor weiteren Ausschreitungen und Anschlägen.