Der UN-Sicherheitsrat hat die jüngsten Angriffe auf diplomatische Vertretungen in mehreren muslimischen Ländern "auf das Schärfste" verurteilt. In einer Erklärung des Gremiums hieß es, diplomatische Vertretungen seien ihrer Natur nach friedlich. "Zu den zentralen Aufgaben von Diplomaten gehört es, ein besseres Verhältnis zwischen Ländern und Kulturen zu fördern."

Am Freitag hatten, unter anderem aus Zorn über einen islamfeindlichen Film , Muslime in mehr als einem Dutzend Staaten Botschaften attackiert, darunter auch die deutsche Botschaft im Sudan . Dort stürmten mehrere Hundert wütende Demonstranten in der Hauptstadt Khartum die deutsche Vertretung und steckten einen Teil des Gebäudes sowie ein Auto und Mülltonnen in Brand. Erst die Polizei konnte die Menschen unter Einsatz von Tränengas wieder vom Botschaftsgelände vertreiben. Auch die nahegelegene britische Botschaft war Ziel von Angriffen.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel ( FDP ) kritisierte die Ausschreitungen ebenfalls. Er kündigte an, das Engagement seines Ressorts in der islamischen Welt zu verstärken. "Wir lassen uns durch die Vorfälle in der islamischen Welt nicht beirren", sagte Niebel der Neuen Osnabrücker Zeitung . "Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir uns im islamischen Raum weiter entwicklungspolitisch engagieren."

Auch in Ägypten kam es nach den Freitagsgebeten zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. "Mit unserer Seele und unserem Blut werden wir dich rächen, unser Prophet", riefen mehrere Hundert Demonstranten auf dem Kairoer Tahrir-Platz. Als sie in Richtung der US-Botschaft ziehen wollten, setzte die Polizei Tränengas ein. Ein Demonstrant kam ums Leben.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi rief im staatlichen Fernsehen zur Ruhe auf , nachdem er sich tagelang nur zurückhaltend geäußert und damit die US-Regierung aufgebracht hatte. Mursi sprach am Telefon mit US-Präsident Barack Obama über die Vorfälle.

Begonnen hatten die ersten Proteste in der Nacht zu Mittwoch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sowie im libyschen Bengasi. Dabei waren der dortige US-Botschafter und drei seiner Mitarbeiter ums Leben gekommen. Die Leichname des Botschafters Christopher Stevens sowie der Mitarbeiter kamen am Freitag auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews im US-Staat Maryland an, wo eine Trauerfeier im Beisein von US-Präsident Obama und Außenministerin Hillary Clinton stattfand.

Die USA  würden standhaft bleiben, sagte Obama während der Trauerfeier. Die Regierung werde weiterhin "alles in ihrer Macht" stehende tun, um US-Bürger im Ausland zu schützen, versicherte der Präsident. US-Verteidigungsminister Leon Panetta warnte vor einer Ausweitung der Unruhe: "Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass diese Demonstrationen außer Kontrolle geraten", sagte er dem Magazin Foreign Policy .