Die politischen Lager streiten noch, ob Barack Obama oder Mitt Romney die zweite TV-Debatte des US-Präsidentenwahlkampfs gewonnen hat. Klar ist aber: Die Moderatorin Candy Crowley war der heimliche Star des Abends. Die politische Chefkorrespondentin des Nachrichtensenders CNN moderierte die Debatte ebenso detailsicher wie resolut und wies beide Teilnehmer mehrmals in die Schranken.

Für ihre ungewöhnlich beherzte Moderation erntete die 63-jährige viel Lob – aber auch Kritik, vor allem von konservativen Medien. Beide Kontrahenten hatten versucht, die erfahrene Moderatorin zu übergehen. Sie habe den schärferen Ton während der Debatte jedoch nicht persönlich genommen, sagte Crowley auf CNN nach Ende der Sendung. Sie war die erste Frau seit 1992, die eine Debatte der Präsidentschaftskandidaten leitete.

"Candy beißt zurück"

"Ich denke, vor allem der erste Teil war gut und hoffentlich für die Zuschauer informativ", sagte sie. Der Vergleich mit Jim Lehrer, dem sehr passiv wirkenden Moderator der ersten Debatte, fiel deutlich aus. "Candy beißt zurück", jubelte etwa die liberale Huffington Post .

In der heiklen Frage, ob Obama wirklich 14 Tage verstreichen ließ, ehe er den Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi einen Terrorakt nannte, mischte sie sich ein und korrigierte Romney: Der Präsident habe bereits früher von Terror gesprochen, sagte sie. Im gleichen Atemzug gab sie aber auch Romney in einem Punkt recht. Dafür gab es spontanen Applaus vom Publikum.

Da sich Obama damals tatsächlich etwas vage ausgedrückt hatte, beschuldigten republikanische Kommentatoren Crowley, die Debatte mit ihrem Eingreifen verdorben zu haben. "Obama und Candy haben gelogen", twitterte etwa die konservative Kolumnistin Ann Coulter . Crowley sagte nach der Debatte, sie habe die Aussagen beider Kandidaten gecheckt. "Romneys Problem war, dass er sich den falschen Fakt ausgesucht hat", erklärte die Moderatorin.

Crowley, die Tochter von mexikanischen Einwanderern, entspricht nicht dem stereotypen Bild von weiblichen US-Fernsehmoderatorinnen. Sie habe Diskriminierung am eigenen Leib erfahren, schrieb Crowley vor einigen Jahren in einem Blog.

"Mein erster Chef hat gesagt, die Zuschauer würden nie eine Frauenstimme als Stimme akzeptieren, die Autorität ausstrahlt", sagte sie. Die erfahrene Journalistin moderiert den CNN-Polittalk State of the Union .