Die Olympischen Spiele in London haben der britischen Wirtschaft zum stärksten Wachstum seit fünf Jahren verholfen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um ein Prozent zum Vorquartal und damit so stark wie seit Mitte 2007 nicht mehr, teilte das nationale Statistikamt mit. Es war der erste Anstieg nach drei Rückgängen in Folge.

Das Quartalswachstum fiel besser aus, als von vielen Fachleuten erwartet. Im Schnitt hatten die Experten mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet.

Experten bezeichneten die Daten zwar als leicht verzerrt, halten es aber immerhin für möglich, dass die Wirtschaftskraft dieses Jahr nicht wie befürchtet schrumpft. Die Regierung äußerte sich zurückhaltend. "Wir haben noch eine weite Strecke vor uns, aber diese Daten zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Finanzminister George Osborne. Es gebe aber noch viele ökonomische Herausforderungen im In- und Ausland.

Olympisches Strohfeuer?

Wie aussagekräftig die Daten sind, ist umstritten. Wegen eines zusätzlichen Feiertages anlässlich des 60-jährigen Thronjubiläums von Königin Elizabeth II war die britische Wirtschaftskraft im zweiten Quartal um 0,4 Prozent zurückgegangen. Dies führte im Sommerquartal zur erwarteten Gegenbewegung. Andererseits ging allein ein Fünftel des Wachstums laut Statistikamt auf die Ticketverkäufe für Olympia zurück.

"In unseren Augen handelt es sich bei den heutigen Daten um ein olympisches (Stroh)Feuer", sagte NordLB-Analyst Norman Rudschuck. Großbritannien sei noch nicht über den Berg. Die NordLB erwarte vielmehr, dass die Wirtschaft Ende 2012 und Anfang 2013 wieder schrumpfe und zum dritten Mal in vier Jahren in die Rezession rutsche.

Zahlen kommen Sparpolitik der Regierung entgegen

Andere Experten zeigten sich zuversichtlicher. "Die Chancen stehen gut, dass die Wirtschaft im Jahresschnitt nicht schrumpft", sagte Alan Clarke von der Scotiabank. Der Internationale Währungsfonds hatte erst kürzlich seine Prognose für das Vereinigte Königreich nach unten korrigiert und für 2012 einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 0,4 Prozent vorausgesagt.

Für die britische Regierung kommen die guten Daten zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn die konservativ-liberale Koalition muss angesichts der Wirtschaftslage eigentlich mehr für das Wachstum tun. Sie will aber mit einem hartem Sparkurs zunächst den hohen Schulden abbauen.