Nach der unbedachten Aussage des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney über die Suche nach qualifizierten Frauen für sein Kabinett hat Präsident Barack Obama die öffentliche Kritik an den Äußerungen aufgegriffen. "Ich muss Ihnen sagen, dass wir keine Ordner sammeln müssen, um kompetente, motivierte und talentierte junge Frauen zu finden, die bereit sind, zu lernen und in diesen Fächern zu unterrichten", sagte Obama bei einem Wahlkampfauftritt an einer Universität in Iowa. Dabei ging es um sein Engagement für Frauenrechte und über Pläne, mehr Professoren für Mathematik und ähnliche Fächer einzustellen.

Auch US-Vizepräsident Joe Biden stieg auf Romneys unglückliche Formulierung ein. "Angesichts der Vorstellung, dass er herumfragen musste, wo eine qualifizierte Frau ist, hätte er einfach zu mir nach Hause kommen sollen. Er hätte keinen Ordner gebraucht", sagte Biden . Obama und Biden kommt Romneys Aussage gelegen. Die beiden versuchen, ihren abnehmenden Vorsprung in Umfragen bei Frauen wieder auszubauen.

Im zweiten TV-Duell mit Obama hatte Romney am Dienstag erzählt, wie er als Gouverneur von Massachusetts nach weiblichen Bewerbern für sein Kabinett suchte. Ihm seien nur Männer als Kandidaten präsentiert worden. "Meinte Güte, können wir nicht auch Frauen finden, die qualifiziert sind?", habe er seine Mitarbeiter gefragt. Schließlich hätte er "Aktenordner voller Frauen" bekommen. Im Internet häuften sich bereits während der Debatte die hämischen Kommentare über die Formulierung. In sozialen Netzwerken kursierten unzählige Fotomontagen , auf denen in Aktenordner gesteckte Frauen zu sehen waren.

Obamas Beliebtheitswerte steigen

Die Mehrheit der US-Wähler sieht Präsident Obama als Sieger der zweiten Fernsehdebatte . Wie eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage von Reuters/Ipsos ergab, sehen 48 Prozent der registrierten Wähler den Amtsinhaber vorn. 33 Prozent finden, Romney habe sich besser geschlagen. Auch Experten zufolge ging Obama als Gewinner hervor.

In der Beliebtheitsskala konnte der Präsident nach der Debatte um fünf Punkte auf 55 Prozent zulegen. Romney verlor zwei Punkte auf 48 Prozent. Das TV-Duell wurde den Einschaltquoten zufolge von 65,6 Millionen Amerikanern im Fernsehen verfolgt. Die dritte und letzte Debatte soll in der kommenden Woche in Florida stattfinden. Eine Sammlung von Reaktionen im Netz haben wir hier zusammen gestellt.