Die Präsidentschaftswahl in den USA bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch die dritte und letzte TV-Debatte brachte bislang keine Vorentscheidung. So konnte weder Amtsinhaber Barack Obama seinen Sieg in bessere Umfrageergebnisse ummünzen , noch muss der republikanische Herausforderer Mitt Romney um einen Einbruch in der Wählergunst bangen.

Dies geht aus einer Erhebung des Umfrageinstituts Ipsos hervor. Die Zustimmung für Obama liegt demnach bei 57 Prozent. Romney konnte 54 Prozent von sich überzeugen . Dabei hatte das TV-Duell offenbar keinerlei Wirkung auf das mögliche Wahlverhalten der Amerikaner. Zwar konnten beide Kandidaten um einen Punkt zulegen, nach Auffassung der Statistiker kann man dies aber vernachlässigen. Die Werte sind damit praktisch unverändert geblieben. Ipsos-Meinungsforscherin Julia Clark meinte jedoch, dass es wohl noch mehrere Tage dauern werde, bis sich die TV-Debatte vollends in den Umfragen niederschlage.

Obama und Romney sind unmittelbar nach dem gemeinsamen TV-Auftritt zu einer ausgedehnten Wahlkampftour durch die entscheidenden Swing States aufgebrochen, jene Staaten, die als noch unentschieden gelten.

"Helft mir, den Job zu beenden"

Obama besucht in den nächsten Tagen unter anderem Ohio , Iowa , Colorado , Kalifornien und Nevada. "Ich möchte, dass Ihr mir helft, den Job zu beenden", bat er seine Anhänger um Unterstützung. Er werde in einer zweiten Amtszeit die Mittelschicht verteidigen. Seinem Gegner hielt er erneut vor, er leide an "Romnesia" (Gedächtnisverlust) – da er seine politischen Positionen je nach Bedarf anpasse. "Wir sind es gewohnt, dass Politiker ihre Meinungen nach vier Jahren wechseln. Wir sind es aber nicht gewohnt, dass sie ihren Standpunkt nach vier Tagen wechseln", sagte Obama.

Den Republikaner Romney und seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan zog es derweil nach Nevada und Colorado. In einer Rede vor einer großen Menschenmenge in Henderson nahm sich Romney abermals die marode Wirtschaftslage in den USA vor. Obama wolle in einer zweiten Amtszeit dieselbe Politik verfolgen, die bereits vier lange Jahre lang für langsames Wirtschaftswachstum und hohe Arbeitslosigkeit gesorgt habe. "Er ist ein Kandidat des Status quo", sagte er. "Deswegen ist seine Kampagne ins Wanken geraten, während unsere an Auftrieb gewonnen hat."

Spekulationen über ein Patt

In den verbleibenden zwei Wochen bis zur Wahl konzentriert sich das Rennen damit immer mehr auf die etwa zehn Staaten, in denen beide Parteien eine Chance haben. In allen anderen 40 Staaten steht aller Erfahrung nach bereits fest, das entweder Obama oder Romney die Nase vorn haben werden. Die wichtigsten Swing-States sind Ohio, Florida sowie Wisconsin und Virginia.

Es gibt bereits Spekulationen, die Abstimmung am 6. November könnte derart knapp ausfallen, dass keiner der beiden Kandidaten die notwendigen 270 Wahlmänner gewinnt. Bei einem solchen Patt wäre eine wochenlange Hängepartie die Folge. In diesem Fall müsste das ebenfalls am 6. November neu gewählte Repräsentantenhaus im Januar über den Sieger entscheiden. Dabei hat Romney die besseren Karten: Umfragen zufolge werden vermutlich die Republikaner erneut die Mehrheit gewinnen.