Dass es um viel ging, war beiden Lagern klar. Nach den ersten beiden TV-Debatten sahen die meisten Beobachter ein Patt zwischen dem Präsidenten und seinem Herausforderer, alle wichtigen Umfragen sehen Barack Obama und Mitt Romney Kopf an Kopf . Nun bot sich zum letzten Mal die Möglichkeit, die Wohnzimmer Amerikas direkt zu erreichen, sich selbst und seine Ideen zu verkaufen und die Unentschlossenen auf die eigene Seite zu ziehen. Beim Duell an der Lynn University im Städtchen Boca Raton im Swing State Florida zählten nicht mehr Details, sondern große Gesten.

Im Mittelpunkt stand die Außenpolitik Amerikas. Es ist seit jeher die Debatte, die dem amtierenden Präsidenten in die Hände spielt. Obama hatte die Chance, noch einmal sein Profil zu stärken. Und er nahm sie wahr: Der Präsident verkaufte sich als Staatsmann, immer wieder verwies er auf "Freunde" und Alliierte außerhalb Amerikas. Dabei war er selbstsicher und offensiv. Er wollte den Fehler aus der ersten Runde vermeiden, als er am schwierigen Spagat zwischen Staatsmann und Wahlkämpfer scheiterte und über 90 Minuten wie gelähmt wirkte. "Was Amerika braucht, ist eine starke Führung, nicht falsche und rücksichtslose Führung", attackierte er Romney nach wenigen Minuten.

Der wusste um seine schwächere Position . Immer wieder versuchte er, die Debatte auf die wirtschaftliche Lage im eigenen Land zu lenken, etwa bei der Frage nach der Rolle Amerikas in der Welt. "Um diese Rolle erfüllen zu können, müssen wir zuallererst zu Hause stark sein", sagte Romney, um dann die vermeintlichen Verfehlungen der Obama-Regierung in der Wirtschaftspolitik abzuspulen.

Über weite Strecken verkam die Fragerunde so zu einer Neuauflage früherer Runden. Plötzlich ging es wieder um "ObamaCare", wieder um das Staatsdefizit, wieder um die Arbeitslosigkeit im Land. Romney weiß, dass die wirtschaftliche Lage nach vier Jahren Obama seine wichtigste Karte ist. Bei der Frage, wo sie am 6. November ihr Kreuz machen, blicken die Amerikaner in diesem Jahr noch stärker als sonst vor allem auf die Wirtschaft im eigenen Land.

Ging es dann doch um Außenpolitik, konnte Romney selten punkten. Das Kandidatengespann der Republikaner verfügt über keine nennenswerte außenpolitische Erfahrung. Bei seinem Europa-Besuch im Sommer hatte sich Romney mit unüberlegten Kommentaren – etwa zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London – wenig Freunde gemacht und Zweifel an seiner außenpolitischen Kompetenz aufkommen lassen. Mit seinen Äußerungen zur Rolle Russlands ("Ohne Frage unser Feind Nummer eins") und Chinas riskierte er politische Spannungen.

Zudem verspielte er seinen einzigen Joker in der Debatte leichtfertig. Früh kam die Sprache auf die Attacken in Libyen vor wenigen Wochen, bei denen vier Amerikaner, darunter ein Diplomat, ums Leben gekommen waren. Das Thema galt als die vermeintliche Schwachstelle des Präsidenten, seit die Frage im Raum steht, ob das Weiße Haus die Lage falsch bewertet und Forderungen nach erhöhter Sicherheit ignoriert hat. Doch Romney konnte die Karte nicht ausspielen. Es schien, als wollten beide Redner das Thema vermeiden. Romney, weil er sich beim Versuch, den Präsidenten im zweiten Duell auf seine Wortwahl nach den Anschlägen festzunageln, die Finger verbrannte. Und Obama, weil die Rolle des Weißen Hauses in den Tagen um die Attacken seine Glaubwürdigkeit stark beeinträchtigt hatte.