Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat Verständnis für das Vorgehen der Türkei bei der erzwungenen Landung eines syrischen Passagierflugzeugs gezeigt. "Nach internationalem Recht muss die Türkei es nicht dulden, dass über ihren Luftraum Waffen oder rüstungsrelevante Güter nach Syrien transportiert werden", sagte er nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Ahmet Davutoğlu in Istanbul . Dieser hatte ihn über die genauen Umstände der erzwungenen Landung vom Mittwoch informiert. Deutschland hätte in einem solchen Fall wohl ähnlich gehandelt, sagte Westerwelle.

Die Türkei hatte am Mittwoch eine syrische Passagiermaschine auf dem Rückweg aus Russland zur Landung gezwungen und dies damit begründet, dass das Flugzeug Militärgüter an Bord gehabt hätte. Westerwelle wollte sich nicht direkt zu der Ladung der Maschine äußern. "Es geht aber nicht nur um Waffen, sondern auch um Material, mit denen Waffen gelenkt und unterstützt werden", sagte er. Medienberichten zufolge sollen unter anderem Teile für Radaranlagen und Raketenlenkeinrichtungen gefunden worden sein. Die syrische Seite bestreitet einen Waffentransport.

Westerwelle warnt vor Stellvertreterkrieg

In deutschen Delegationskreisen hieß es, Westerwelle und Davutoğlu hätten ein sehr vertrauensvolles Gespräch geführt. Davutoğlu habe die jüngsten Zwischenfälle an der türkisch-syrischen Grenze geschildert und die türkische Haltung zur erzwungenen Landung des syrischen Passagierflugzeuges wegen vermuteter militärischer Fracht dargelegt. Westerwelle habe das türkische Verhalten als "moralisch richtig" bezeichnet.

Gleichzeitig mahnte der Außenminister zu Zurückhaltung. Erneut warnte der FDP-Politiker vor einem "Stellvertreterkrieg, der ein Land nach dem anderen in der Region in Brand setzt". Die Lage sei sehr ernst.

Bei der Begegnung, für die Westerwelle seine Rückreise aus China unterbrach, traf Westerwelle auch den internationalen Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi, den Chef der Arabischen Liga, Nabil Al-Arabi sowie den Vorsitzenden des Oppositions-Dachverbandes Syrischer Nationalrat (SNC), Abdel Basset Sajda.

Davutoğlu bedankte sich nach seinem Treffen mit Westerwelle für die deutsche Unterstützung. Auch die Unterstützung der Nato sei für sein Land sehr wichtig. Zugleich warnte Davutoğlu den syrischen Nachbarn vor weiteren Grenzverletzungen. Bei erneuten Zwischenfällen werde die Türkei selbstverständlich "ein Handeln entgegensetzen". Dabei gehe es auch um Abschreckung. Nach Presseberichten hat die Türkei etwa 250 Panzer an der Grenze zusammengezogen .