Im Streit um den Parteivorsitz bei Frankreichs konservativer Partei UMP hat eine parteiinterne Beschwerdekommission den Sieg von Jean-François Copé bestätigt. Copé habe mit 952 Stimmen Vorsprung gegen seinen Rivalen François Fillon gewonnen, erklärte das Gremium. Die Beschwerdekommission hatte Vorwürfe des Wahlbetrugs geprüft, den beide Seiten nach der Urwahl vom Sonntag vor einer Woche erhoben hatten.

Fillon erkennt Copés Sieg aber trotz der Prüfung nicht an und will gerichtlich gegen das Wahlergebnis vorgehen. Die Beschwerdekommission hält er für parteiisch: Ein Anwalt des früheren Regierungschefs sagte der Nachrichtenagentur AFP, von den neun Mitgliedern hätten fünf und der Kommissionsvorsitzende vor der Urwahl dazu aufgerufen, für Copé zu stimmen.

Nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Urabstimmung vor gut einer Woche war Copé zum knappen Sieger erklärt worden. Fillon hatte das Ergebnis angefochten und erklärt, er hätte die Wahl mit 26 Stimmen gewonnen, wenn Stimmzettel aus den französischen Überseebesitzungen berücksichtigt worden wären. Eine erneute Abstimmung der Mitglieder lehnt Copé ab. Nach einer Umfrage befürworten 67 Prozent der UMP-Anhänger eine Wiederholung der Wahl.

Nur Sarkozy besitzt die "Autorität" für eine Schlichtung

Ein Vermittlungsversuch des UMP-Mitbegründers Alain Juppé war am Sonntagabend gescheitert. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf Exstaatschef Nicolas Sarkozy, der am heutigen Montag Fillon traf und mit Copé telefonierte. Juppé sagte, Sarkozy sei der einzige, der in der Partei ausreichend Autorität besitze, um einen "möglichen Ausweg" aus der Krise aufzuzeigen. Angesichts des Kampfs um die UMP-Parteispitze ist auch ein Zerbrechen der Partei nicht ausgeschlossen.

Infolge des Streits um die Parteispitze musste die UMP bisher einige Hundert Austritte ihrer rund 300.000 Mitglieder registrieren. Auch Schatzmeister Dominique Dord war zurückgetreten. Der zum Fillon-Lager gerechnete Politiker begründete seinen Rücktritt mit einem "Missbrauch" der UMP-Mittel durch das Copé-Lager. Er könne die Atmosphäre in der Parteiführung nicht länger ertragen, sagte er.