Wochen nach der Ermordung des tunesischen Oppositionspolitikers Chokri Belaid hat die Polizei im Stadtteil Karthago den mutmaßlichen Täter und seinen Komplizen festgenommen. Laut Polizeikreisen ist der mutmaßliche Mörder ein 31-jähriger Islamist, der als Handwerker Aluminiummöbel herstellt.

Sein Komplize soll das Motorrad gefahren haben, mit dem der 31-Jährige nach der Tat flüchtete. Eine Augenzeugin half, die beiden zu identifizieren. Sie sei unter Polizeischutz gestellt worden, hieß es.

Die Opposition im Land hatte die islamistische Miliz des Hauptverdächtigen immer wieder für Angriffe und Einschüchterungsversuche verantwortlich gemacht.

Tiefe Krise

Nach Informationen des Radiosenders Mosaique FM soll der mutmaßliche Mörder seine Verwicklung in die Tat bereits zugegeben haben. Er sei einer Fatwa gefolgt, habe er gesagt – einem islamischen Rechtsgutachten, das zum Tod des renommierten Oppositionspolitikers aufgerufen habe.

Bislang Unbekannte hatten Belaid am Morgen des 6. Februar vor seinem Wohnhaus erschossen. Sein Tod zog in Tunesien eine tiefe Krise nach sich. Die Opposition machte die islamistische Regierungspartei Ennahda und ihren Vorsitzenden Rached Ghannouchi für die Tat verantwortlich. Tausende protestierten auf den Straßen des Landes.

Als Ausweg aus der Krise wollte der bisherige Regierungschef Hamadi Jebali eine Expertenregierung bilden. Er scheiterte aber am Widerstand seiner Ennahda-Partei und trat daraufhin zurück.

Die gemäßigt-islamistische Ennahda benannte inzwischen Innenminister Ali Larayedh als ihren neuen Kandidaten für das Amt. Er erhielt am Freitag den Auftrag, eine Regierung zu bilden.