Der ehemalige haitianische Präsident Jean-Claude Duvalier hat vor Gericht seine von schweren Menschenrechtsverletzungen geprägte Amtszeit als gute Zeit für Haiti bezeichnet. Unter seiner Regierung hätten die Menschen ein "annehmbares" Leben geführt. Heute sei der Karibikstaat dagegen ein heruntergewirtschaftetes Land , sagte der 61-Jährige in Port-au-Prince .

Duvalier war nach drei erfolglosen Vorladungen erstmals persönlich vor Gericht erschienen. In der Anhörung ging es um die Frage, ob die Duvalier zur Last gelegten Verbrechen gegen die Menschlichkeit verjährt sind oder nicht. Er beantwortete laut lokalen Medien Fragen zu seiner Amtszeit von 1971 bis 1986. Die Entscheidung, ob es einen Prozess gegen Duvalier geben wird, fällt ein Richtergremium.

Vor einem Jahr hatte ein Gericht entschieden, dass der Ex-Präsident lediglich wegen Korruption angeklagt werden solle. Gegen die Entscheidung legten Menschenrechtsaktivisten und Opfer von Duvaliers Regime Berufung ein. Die Justiz in Haiti hatte vergangene Woche Duvaliers persönliches Erscheinen vor Gericht angeordnet.

Im Saal saßen auch Opfer des ehemaligen Diktators, die als Zeugen befragt wurden. Vor dem Gericht demonstrierten Dutzende von Anhängern des Ex-Präsidenten in Rot und Schwarz, den Farben des alten Regimes. Sie riefen: "Es lebe Duvalier", berichtet die französische Tageszeitung Le Monde .

"Die Menschen lebten anständig"

Richter Jean-Joseph Lebrun hatte Duvalier gefragt, ob er die Verantwortung für seine Amtszeit übernehme; Duvalier antwortete, seine Regierung habe zwar die Misere verwaltet, die Menschen in Haiti hätten aber ein ordentliches Leben geführt. "Ich kann nicht sagen, dass es ein rosiges Leben war, aber die Menschen lebten anständig." Als er im Januar 2011 aus Frankreich nach Haiti zurückgekehrt sei, habe er ein von Korruption zerfressenes Land vorgefunden.

"Was haben Sie aus meinem Land gemacht?", rief Duvalier. Auf die Frage des Richters, was er zu den Vorwürfen der illegalen Verhaftungen, der Folter und politischen Morde sage, antwortete Duvalier, er habe stets dafür gesorgt, dass Gerechtigkeit walte, wenn er von solchen Fällen erfahren habe.

Fortsetzung von "Papas" Herrschaft

Duvalier alias "Baby Doc" hatte nach dem Tod seines Vaters François Duvalier ("Papa Doc") während seiner 15-jährigen Amtszeit dessen Schreckensherrschaft in dem Karibikstaat fortgeführt. Im Jahr 1986 wurde er gestürzt. Vor zwei Jahren kehrte Jean-Claude Duvalier überraschenderweise nach 25 Jahren im französischen Exil nach Haiti zurück . Er wurde damals für kurze Zeit festgenommen, da ihm unter anderem Korruption, Veruntreuung und Diebstahl vorgeworfen wurden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, Duvalier dürfe nicht außerhalb der Reichweite der Justiz stehen. Unter seiner Herrschaft sollen Hunderte Menschen misshandelt und getötet worden sein. Zudem soll er hunderte Millionen Dollar an Staatsgeld veruntreut haben.