Bei den neuen Verhandlungen über Irans Atomprogramm in der kasachischen Stadt Almaty will die iranische Delegation der 5+1-Gruppe ein neues Angebot vorlegen. Im Gegenzug zur Aufhebung aller internationalen Sanktionen, insbesondere der Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats , verzichte Teheran auf die Fortsetzung der Urananreicherung auf einen Grad von 20 Prozent.

"Wir haben unser eigenes Angebot in unterschiedlichen Versionen vorbereitet", hieß es aus dem Umfeld der iranischen Verhandlungsdelegation. Welche Fassung unterbreitet werde, sei abhängig vom Angebot der Sechsergruppe. Das iranische Angebot werde "vom selben Gewicht wie ihr Angebot" sein. Eine Schließung der Atomanlage Fordo oder die Lagerung des Urans mit einem Anreicherungsgrad von 20 Prozent im Ausland schließt der Iran diesen Angaben aber zufolge aus. Genau das sind wiederum die Kernforderungen der 5+1-Gruppe. Zudem gab es aus Teheran auch zuvor bereits Angebote zur Aufgabe der Anreicherung, diese waren aber verbunden mit der Forderung, aus dem Ausland weiter mit angereichertem Uran beliefert zu werden. Es ist gut möglich, dass diese Bedingung erneut gestellt wird. 

Die 5+1-Gruppe – bestehend aus den USA , Russland , China , Frankreich , Großbritannien und Deutschland – und der Iran treffen sich am heutigen Dienstag erstmals seit neun Monaten wieder. Die Atompolitik des Iran gilt als eines der drängendsten weltpolitischen Probleme.

Zu Beginn der Gespräche hatten die Staaten der 5+1-Gruppe dem Iran eine Milderung der Sanktionen in Aussicht gestellt. Dies sei möglich, wenn Teheran bei bestimmten Aspekten seines Atomprogramms einlenke, verlautete aus Kreisen der Sechsergruppe. Denkbar seien Erleichterungen beim Goldhandel, der petrochemischen Industrie sowie im Bankensektor.

Die 5+1-Gruppe verlangt, dass der Iran seine Urananreicherung auf 20 Prozent beendet und die Atomanlage Fordo schließt. Irans Chefunterhändler Said Dschalili hatte am vergangenen Samstag gesagt, für Teheran müssten die Forderungen "ausgewogen" sein. Der Iran beharrt auf seinem Recht zur zivilen Nutzung der Atomenergie und der Aufhebung aller Sanktionen.

Das Land steht jedoch im Verdacht, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten . Dies belegte auch ein Bericht der UN-Atomaufsicht IAEA . Demnach hat der Iran sein Atomprogramm zuletzt ausgeweitet und 180 moderne Zentrifugen in der Anlage bei Natans installiert. Seinen Vorrat an auf 20 Prozent angereichertes Uran erhöhte der Iran demnach auf 167 Kilogramm. Als Ausgangsmaterial für den Bau einer Atombombe werden in der Regel 240 bis 250 Kilogramm benötigt.

"Iran ist auf schnellen Erfolg angewiesen"

Das Angebot der 5+1-Gruppe berücksichtige die iranische Position, sagte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. "Der Iran muss verstehen, dass er auf einen schnellen Erfolg der Verhandlungen angewiesen ist. Wir hoffen, dass sich Teheran flexibel zeigt und dies ein Schritt vorwärts sein wird." Niemand erwarte aber konkrete Vereinbarungen bei den Gesprächen in Almaty.

Auch Russland hat die Teilnehmer der Gespräche zu einer konstruktiven Haltung aufgerufen. "Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren", warnte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow am Montag. US-Außenminister John Kerry sagte bei seinem Besuch in London , ein nuklear bewaffneter Iran sei inakzeptabel. Er sprach von einem Zeitfenster für Verhandlungen, sollte sich die Regierung in Teheran zu vertrauensvollen Gesprächen bereit zeigen.

Außenminister Guido Westerwelle sagte dem Bonner General-Anzeiger , er sehe Chancen für eine politische und diplomatische Lösung. Eine Einigung sei nötig, "denn eine nukleare Bewaffnung des Iran wäre nicht nur eine Gefahr für die Staaten in der Region und ganz besonders Israels , sondern auch für die Sicherheitsarchitektur der Welt".