Dennoch patrouillieren nun am Ortsausgang der vor dem Krieg rund 55.000 Einwohner zählenden Stadt Kurden und sunnitische Rebellen gemeinsam. Die Männer, die dort Dienst tun, glauben nicht so recht daran, dass der Frieden halten wird.

Zwei der Einheiten, die einen Großteil der örtlichen FSA-Kämpfer stellen, sind Ayad al-Fahry und Ahrar al-Jazeera. Beide gehören dem gemäßigten islamistischen Spektrum an, sie grenzen sich durch liberalere Positionen mit Blick auf persönliche Freiheiten des Einzelnen von den Radikal-Islamisten ab. Trotzdem bestreiten sie Operationen gemeinsam mit den dschihadistischen Jabhat al-Nusra und sprechen den syrischen Kurden das Recht auf Autonomie ab. Sheikh Hamad, Kommandeur der Ahrar-al-Jazeera-Brigade, sagt über den Friedensprozess nur kühl: "Das Abkommen wurde zwischen dem Militärrat der FSA und den kurdischen Organisationen geschlossen. Die individuellen Einheiten in Ras al-Ayn wurden nicht um Rat gefragt."

Inzwischen haben sich zahlreiche FSA-Gruppen individuelle Finanzierungsnetzwerke in den reichen Golfstaaten aufgebaut, wohl auch Ayad al-Fahry und Ahrar al-Jazeera. Verwandte leiten ihnen Geldmittel zu, wodurch sie von den offiziellen FSA-Strukturen unabhängig handeln können. "Finanzielle Freiheit bedeutet eine Freiheit der Gedanken", sagt Zakharias. Für die syrische Opposition sind solche Milizen nur schwer zu kontrollieren.

Die FSA-Kämpfer von Ras al-Ayn sind in ärmlichen Behausungen untergekommen, meist teilt sich ein Dutzend Männer einen Schlafplatz. Aus Sicht der Bevölkerung bleiben sie im schlimmsten Fall "die Besatzer", denn in den meisten Fällen stammen sie aus anderen Städten des Landes. Wenn in Ras al-Ayn nun neue zivile Strukturen entstehen, sind sie in diesen Prozess kaum eingebunden.

FSA-Kämpfer wollen den Sturm auf Qamishli

Also wenden sie sich anderen Eroberungszielen zu: Ginge es nach Ayad al-Fahry und Ahrar al-Jazeera, würde die FSA bereits in den kommenden Wochen den Sturm auf die größte kurdische Stadt Syriens, Qamishli, beginnen. Dort ist noch immer ein Rest Assad-Truppen stationiert, doch es geht wohl eher darum, die YPG zu schwächen: Läge erst Qamishli in Trümmern, würden sie die Herrschaft der FSA über die kurdischen Gebiete schon akzeptieren und sich stärker am Kampf gegen die Regierungstruppen beteiligen. So zumindest denken die islamistischen Feldkommandeure, in deren Reihen auch Legionäre aus dem Irak und anderen islamischen Ländern kämpfen.

Nach Ras al-Ayn kehren unterdessen jeden Tag rund 100 Menschen zurück. Ladenbesitzer bieten Zigaretten und Benzin zum Verkauf, in den Bäckereien läuft das Brot von den verrußten Fließbändern. Türkische Schmuggler und kurdische Aktivisten unterstützen die Stadt beim Wiederaufbau. Deshalb ist die Versorgungslage hier besser als in vielen abgelegeneren Teilen des Landes. Warum genau seine Heimat in den Krieg hineingezogen wurde, kann Kurden-Politiker Kassem bis heute nicht verstehen: "Assad ist in Aleppo und Damaskus, aber doch nicht hier."