Der bekannte ägyptische Fernsehmoderator und Satiriker Bassem Jussif ist nach seiner Festnahme wegen des Vorwurfs der Beleidigung gegen Kaution freigelassen worden. Gegen die Zahlung von 15.000 Ägyptischen Pfund (etwa 1.700 Euro) durfte Jussif das Gebäude der Staatsanwaltschaft wieder verlassen, berichtete der britische Nachrichtensender BBC .

Jussif war am Samstag festgenommen worden, weil er Witze über Präsident Mohammed Mursi gemacht hatte. In seiner Fernsehshow Al-Barnameg ( Die Show ) habe er außerdem den Islam verunglimpft, so der Vorwurf. Dem BBC-Bericht zufolge wird Jussif auch beschuldigt, "Falschmeldungen mit dem Ziel zu verteilen, die öffentliche Ordnung zu stören".

Vor dem Gebäude hatten sich zahlreiche Journalisten und Anhänger Jussifs versammelt, um gegen seine Festnahme zu protestieren. Sie sehen darin einen weiteren Beleg für die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit – die ägyptischen Behörden gehen verstärkt gegen kritische Journalisten vor. Freie Meinungsäußerung war bei der ägyptischen Revolution und dem Sturz Mubaraks eine zentrale Forderung der Demonstranten.

"Faschistisches Regime"

Der Friedensnobelpreisträger und Oppositionspolitiker Mohammed ElBaradei warf der Regierung autoritäres Verhalten vor. Ein solches Vorgehen kenne man nur von "faschistischen Regimen", schrieb er bei Twitter. Die Versuche, "das Dissidententum zu unterdrücken und die Medien einzuschüchtern", seien entlarvende Zeichen für die Unsicherheit der islamistischen Regierung.

Jussif reagierte auf seine eigene Art mit Humor auf die Vorwürfe gegen ihn. Zu seiner Vernehmung erschien er mit einem riesigen Hut, der offenbar einer Kopfbedeckung von Präsident Mursi nachempfunden war, die er bei einem Staatsbesuch in Pakistan getragen hatte. Zudem schickte Jussif ironische Kommentare über Twitter : "Die Beamten und Richter wollen ein Foto mit mir machen lassen. Ist das vielleicht der Grund, warum ich einbestellt wurde?", schrieb der Komiker.

Mit Internetshow bekannt geworden

Ursprünglich hatte Jussif als Arzt gearbeitet. Nach dem Sturz von Diktator Hosni Mubarak im März 2011 startete er dann eine Satireshow im Internet. Schnell wurde er populär und seine Sendung fortan im Fernsehen ausgestrahlt, mittlerweile schauen etwa 30 Millionen Menschen seine Show. Darin macht sich Jussif über Regierungsmitglieder, Politiker der Opposition sowie Prominente aus Medien und Religion lustig. Mehrfach waren auch Führungsmitglieder der Muslimbrüder Ziel seines Spotts, die über die Mehrheit im Parlament verfügen und denen Präsident Mursi entstammt.

Jussifs Vernehmung kommt zu einer Zeit, in der wiederholt Kritiker von Präsident Mursi festgenommen oder verhört werden. So wurden dem Guardian zufolge einen Tag zuvor neun Oppositionelle und vier Anwälte vorgeladen, weil sie zu Protesten gegen die Muslimbrüder aufgerufen hätten.