Der Bundeswehreinsatz in der Türkei wird nach Einschätzung des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus ( FDP ) von erheblichen Missständen begleitet. Die Zusammenarbeit mit türkischen Soldaten werde von deutscher Seite "überwiegend als problematisch empfunden", schreibt Königshaus in einem Bericht an den Verteidigungsausschuss des Bundestags.

Königshaus hatte die Bundeswehreinheiten im osttürkischen Kahramanmaras besucht, die dort in einer Kaserne mit türkischen Soldaten untergebracht sind. In Kahramanmaras sind derzeit etwa 300 Bundeswehrsoldaten stationiert, um die Türkei mit Patriot-Flugabwehrraketen vor Angriffen aus dem benachbarten Syrien zu schützen. In seinem Bericht bezeichnet er die Zusammenarbeit der beiden Nato-Partner als "problembehaftet". Die Bundeswehrsoldaten empfänden die türkische Seite als "wenig hilfreich".

Der Wehrbeauftragte beschreibt unter anderem einen Vorfall am Rande des Besuchs von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ( CDU ) vor einer Woche. Demnach stoppte eine deutsche Feldjägerin das Fahrzeug eines türkischen Generals, um die Durchfahrt der Ministerkolonne zu ermöglichen. Der General sei ausgestiegen und habe mehrere deutsche Soldaten beiseite geschubst, darunter die Feldjägerin. Sie habe anschließend über Prellungen geklagt.

In seinem Bericht führt Königshaus zahlreiche Missstände auf. Die türkische Armee unterbinde nach Eindruck der deutschen Soldaten den Kontakt zwischen ihren Soldaten und den Deutschen. Türkische Soldaten, die dennoch Kontakt mit deutschen Soldaten aufnähmen, würden durch ihre Vorgesetzten gemaßregelt. Zudem habe die türkische Seite gefordert, in der Kaserne die deutsche Flagge und die deutschen Ortsschilder von Standorten der Heimatverbände zu entfernen.

Hundekadaver auf dem Gelände

Probleme gebe es auch, wenn deutsche Soldaten die Kasernen verlassen wollten. Drei Soldaten seien tagelang daran gehindert worden. In dem Bericht wird auch beklagt, die Verpflegung sei eintönig, in der Regel gebe es nur kaltes Essen. Auch von mangelnden hygienischen Zuständen ist in dem Bericht des Wehrbeauftragten die Rede. Die Zustände im Sanitärbereich der türkischen Kaserne seien unhaltbar. Toiletten seien völlig verdreckt, die meisten verfügten nicht über eine Wasserspülung. Hundekadaver auf dem Gelände seien ein weiteres Hygiene-Risiko.

Feldpost würde über Tage oder sogar Wochen festgehalten, heißt es weiter. Ein Paket für einen deutschen Soldaten sei erst nach viereinhalb Wochen zugestellt worden. Euros müssten zu schlechtem Kurs in privaten Wechselstuben getauscht werden.

De Maizière bestätigte Probleme zwischen türkischen und deutschen Soldaten. "Natürlich habe auch ich bei meinem Besuch in der Türkei gewisse Probleme wahrgenommen, obwohl ich eher die Schokoladenseite gezeigt bekomme", sagte de Maizière der Bild am Sonntag . Er hatte das Kontingent am Samstag vor einer Woche besucht. De Maizière versprach, dass sich die Bedingungen bald verbessern. "Die Türkei hat sich große Mühe gegeben, für gute Unterkunftsbedingungen zu sorgen." In Kürze würden neue Unterkünfte fertiggestellt. "Wenn diese neuen Unterkünfte fertig sind, wird sich vieles, was da vorgetragen worden ist, ändern."

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, die Zwischenfälle seien nicht vertretbar. Es gehe darum, die Vorfälle aufzuklären und die Bedingungen Schritt für Schritt zu verbessern. Gabriel hatte diese Woche die Bundeswehrsoldaten in Kahramanmaras besucht. "Da treffen zwei völlig verschiedene Kulturen aufeinander", sagte er.