Die russischen Behörden haben ihre Ermittlungen zum Tod des Anwalts Sergej Magnitski eingestellt. Es gebe keinen Hinweis auf ein Verbrechen, teilte die oberste Ermittlungsbehörde in Moskau mit. Es seien weder Spuren von Folter noch anderer physischer Gewalt gefunden worden.

Der Anwalt von Magnitskis Familie kündigte an, gegen die Einstellung der Ermittlungen Einspruch einzulegen. Die Angehörigen werfen ebenso wie frühere Kollegen und Menschenrechtler den Behörden vor, dass Magnitski im Gefängnis 2009 zu Tode gefoltert wurde.

Der damals bei der Firma Hermitage Capital beschäftigte Anwalt hatte Offiziere des russischen Innenministeriums beschuldigt, den Staat um mehr als 200 Millionen US-Dollar geprellt zu haben. Er war daraufhin festgenommen worden und starb im Untersuchungsgefängnis. Nach offiziellen Angaben erlag der an Diabetes und Hepatitis erkrankte Magnitski einer Herzschwäche und einem Blutgerinnsel. Seine Familie geht als Ursache aber von Misshandlungen und verweigerter medizinischer Behandlung aus.

Der Fall hatte international viel Kritik erzeugt, auch weil Russland dem Toten einen Prozess wegen Steuerbetrugs macht. Die USA haben gegen Funktionäre, die gegen Magnitski vorgegangen waren, Sanktionen wie Einreiseverbote und Kontosperren verhängt. Als Antwort auf die sogenannte Magnitski-Liste hatte Russland die Adoption russischer Kinder durch US-Bürger verboten.