Die syrische Opposition hat den Regimekritiker Ghassan Hitto zu ihrem Übergangsregierungschef gewählt . 35 von 49 Mitgliedern der Nationalen Koalition hätten für Hitto gestimmt, teilte ein Sprecher der Oppositionsgruppe in Istanbul mit. Hitto soll Ministerpräsident für die Gebiete im Norden und Osten Syriens werden, die unter Kontrolle der Rebellen stehen.

An den Gesprächen in Istanbul nahmen etwa 70 Mitglieder der Nationalen Koalition teil. Mehrere von ihnen verließen die Beratungen jedoch noch vor der Wahl, ein Zeichen für Spaltungen innerhalb des größten Oppositionsbündnisses. Dennoch nannten mehrere Vertreter Hitto einen "Konsens-Kandidaten", der auf Zustimmung sowohl im islamistischen wie auch im liberalen Lager stoße.

Für den Posten des Übergangspremiers waren zwölf Kandidaten angetreten. Hittos größter Rivale, der frühere Landwirtschaftsminister Assaad Mustafa, der einst unter Baschar al-Assads Vater Hafis amtierte und später zu den Rebellen überlief, erhielt sieben Stimmen. Zwei weitere Favoriten, darunter der Wirtschaftsexperte Ussama al-Kadi, zogen ihre Kandidatur zurück.

Hitto wurde 1964 in Damaskus geboren, verbrachte aber einen großen Teil seines Lebens in den USA , wo er Mathematik und Informatik studierte. In Texas engagierte er sich zudem jahrelang für die Islamschule Brighter Horizons Academy. Zuletzt arbeitete er als leitender Manager in einer texanischen Telekommunikationsfirma. Im November kündigte er seinen Job, um sich dem Aufstand gegen Präsident Assad anzuschließen. In einem kurzen Auftritt nach seiner Wahl kündigte Hitto an, so rasch wie möglich ein Regierungsprogramm vorzulegen.

Freie Syrische Armee unterstützt Hitto

Eine der ersten Aufgaben des neuen Übergangsregierungschefs wird es sein, die Aufständischen vor Ort für sich und sein Kabinett zu gewinnen. Nach Angaben eines Vertreters des Oppositionsbündnisses wird der Premier voraussichtlich schon bald nach Syrien reisen und die Chefs der verschiedenen Rebellengruppen treffen. Der Militärchef der Freien Syrischen Armee , Selim Idriss, sicherte der Übergangsregierung bereits seine Unterstützung zu.

Laut dem Sprecher der Nationalen Koalition, Chaled al-Saleh, sollte die Regierung der Aufständischen früher oder später ebenfalls ihren Sitz innerhalb Syriens haben. "Ein Kabinett, das per Internet oder Skype regiert, kann nicht funktionieren", sagte er.

Die regierungsfreundliche syrische Zeitung Al-Watan kritisierte die Wahl eines Regierungschefs der Aufständischen als "verrückt und verwirrt". Damit zeige die Nationale Koalition, dass sie völlig realitätsfern sei und keine Ahnung von der Lage vor Ort in Syrien habe.