Aufständische haben in der Zentralafrikanischen Republik der Regierung zufolge die Hauptstadt Bangui erobert. "Die Rebellen kontrollieren die Stadt", sagte ein Regierungssprecher. Präsident François Bozizé sei in den Kongo geflohen, sagte einer seiner Berater. Die Rebellenbewegung Séléka verkündete die Einnahme des Präsidentenpalastes.

Zuvor waren sie Anwohnern zufolge ins Zentrum der Stadt bis zum Präsidentenpalast vorgedrungen. Nach einer ruhigen Nacht seien am Morgen schwere Kämpfe ausgebrochen, sagte ein Offizier einer regionalen Friedenstruppe. In der ganzen Stadt seien Explosionen und Maschinengewehrfeuer zu hören.

Die Aufständischen trafen Bozizé im Präsidentenpalast eigenen Angaben zufolge nicht mehr an. Sie würden sich nun zum Gebäude des Staatsrundfunks begeben, damit Rebellenchef Michel Djotodia "das Wort ergreifen" könne.

Konfliktparteien werfen sich gegenseitig Destabilisierung vor

Seit Ende vergangenen Jahres versuchen die Séléka-Rebellen, die Umsetzung mehrerer Abkommen mit Waffengewalt zu erzwingen. Dem Präsidenten wirft die Gruppe vor, eine Friedensvereinbarung vom Januar gebrochen zu haben. Sie sieht in der neugebildeten Regierung der nationalen Einheit ihre Interessen nicht ausreichend vertreten. Zudem würden Bozizés Truppen Mitglieder ethnischer Gruppen angreifen, weil sie diese für Sympathisanten der Rebellen hielten. Behörden gäben für den Kampf Macheten und Kalaschnikows an Zivilisten aus.

Laut BBC ist die Séléka-Bewegung eine Allianz aus drei bewaffneten Gruppen, die nicht aus der Zentralafrikanischen Republik stammen. Bozizé wirft ihnen vor, das Land destabilisieren zu wollen, um an die Ölvorkommen zu gelangen.

Bozizé hatte sich 2003 an die Macht geputscht und 2005 die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Ein Jahr später begannen die Kämpfe zwischen der Séléka-Bewegung und Regierungstruppen. Der Präsident hatte bereits Frankreich und die USA um Unterstützung gebeten. Frankreich ist als ehemalige Kolonialmacht in der Zentralafrikanischen Republik zwar militärisch präsent, wollte in der Vergangenheit aber nicht in den Konflikt eingreifen – ebenso wie die USA. 

Frankreich unterstützt Regierungstruppen

Zur Sicherung des internationalen Flughafens verstärkte Frankreich Diplomaten zufolge aber jetzt seine Truppen. In der Ex-Kolonie leben etwa 1.200 Franzosen, die meisten davon in Bangui. Angesichts der schwierigen Lage beantragte die französische Regierung eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats . Frankreich hat in dem Land derzeit 250 Soldaten stationiert.

In Bangui herrscht Beobachtern zufolge große Angst. Geschäfte, Büros und Schulen wurden geschlossen.