Im Prozess gegen Ägyptens Expräsidenten Hosni Mubarak hat sich der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn für befangen erklärt. Mustafa Hassan Abdallah überwies den Fall zurück an das Berufungsgericht, das nun ein neues Gericht für zuständig erklären muss.

Er begründete seine Entscheidung damit, dass er "Unbehagen" empfinden würde, sollte er selbst das Verfahren leiten. Wann der Prozess fortgesetzt wird, war zunächst unklar.

Zu Beginn des Prozesses gab es mehrfach Zwischenrufe einiger Anwälte der Opferfamilien. Sie forderten den Rücktritt des Richters. Mustafa Hassan hatte in einem anderen Verfahren zu einem gewaltsamen Übergriff gegen Demonstranten 24 ehemalige Funktionäre freigesprochen. Viele Oppositionsgruppen empörten sich über das Urteil.

Mubarak war während der Entscheidung des Richters den Vorsitz abzugeben im Gerichtssaal. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder des 84-Jährigen, der zuvor mit einem Hubschrauber zum Prozessauftakt geflogen worden war. Mubarak verfolgte den kurzen Auftakt liegend von einer Krankentrage aus. Es war lange fraglich, ob Mubarak wegen seines schlechten Gesundheitszustands selbst an dem Prozess teilnimmt.

846 tote Demonstranten

Der Exmachthaber muss sich in dem neuen Prozess wegen des Todes von 846 Demonstranten während der Revolution Anfang 2011 verantworten. Im vergangenen Jahr war er bereits wegen derselben Delikte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hob das Urteil jedoch wegen Verfahrensmängeln wieder auf .

Neben Mubarak müssen sich auch sein Innenminister Habib al-Adli und sechs ehemalige ranghohe Vertreter der Sicherheitskräfte erneut vor Gericht verantworten. Mubarak war am 11. Februar 2011 nach wochenlangen blutigen Protesten gestürzt worden.