Der frühere ukrainische Innenminister Juri Kuzenko geht von einer baldigen Freilassung der früheren Regierungschefin Julija Timoschenko aus. Sie werde "schon sehr bald freikommen", sagte der enge Vertraute Timoschenkos in einem Interview mit der Deutschen Welle. Ähnlich positiv äußerten sich führende Mitglieder von Timoschenkos Vaterlandspartei. 

"Ich glaube nicht, dass die jetzige ukrainische Staatsführung über die internationale Staatengemeinschaft, die ukrainische Gesellschaft und vor allem den gesunden Menschenverstand siegen kann", sagte Luzenko. Er saß selbst mehr als zwei Jahre im Gefängnis und wurde Anfang April überraschend begnadigt. 2010 war Luzenko wegen Veruntreuung verurteilt worden.

Der Europäische Gerichtshof hat für den kommenden Dienstag ein Urteil in der causa "Timoschenko gegen die ukrainische Justiz" angekündigt. Beobachter gehen davon aus, dass das Gericht zugunsten Timoschenkos entscheiden wird. Damit hätte der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch die Möglichkeit, seine Rivalin gesichtswahrend zu begnadigen.

Schon die Begnadigung Luzenkos wird als Versuch der ukrainischen Regierung gewertet, die Beziehungen zur Europäischen Union zu verbessern. Die EU hatte die Urteile gegen Timoschenko und Luzenko als politisch motiviert kritisiert. In der Ukraine sind zahlreiche Oppositionelle in Haft. Deren Freilassung hatte die EU zur Vorbedingung für eine weitere Annäherung zwischen Kiew und Brüssel gemacht. Timoschenko könnte die nächste sein.

Die 52-Jährige sitzt seit vielen Monaten in der Ukraine in Haft. Sie wurde wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richterspruch ist umstritten. Derzeit läuft ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen sie, die ukrainische Staatsanwaltschaft will sie außerdem wegen Auftragsmordes anklagen.