Israel rät der US-Regierung zu einem schnellen Eingreifen in Syrien . Die USA müssten militärisch intervenieren, "um die Kontrolle über das syrische Chemiewaffenarsenal zu übernehmen", sagte Vize-Außenminister Zeev Elkin. Sobald die internationale Staatengemeinschaft verstehe, dass durch den Chemiewaffeneinsatz eine rote Linie überschritten worden sei, gebe es zur militärischen Intervention "keine Alternative".

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hatte am Donnerstag erklärt, syrische Streitkräfte hätten wahrscheinlich "in geringen Mengen" chemische Waffen benutzt. US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz chemischer Waffen zuvor als rote Linie bezeichnet und für diesen Fall mit einem Militäreinsatz der USA gedroht.

Auch in den USA mehren sich Rufe nach einem härten Kurs gegenüber der Führung in Damaskus . Mehrere US-Senatoren beider Parteien sagten, dass die Grenze nun überschritten sei und Obama handeln müsse. Der Republikaner John McCain forderte eine Flugverbotszone über Syrien.

Der Präsident reagierte indessen zurückhaltend. Noch fehle der endgültige Beweis, dass die Regierung von Präsident Baschar al-Assad ihre Gegner mit dem Nervengas Sarin angegriffen habe, hatte das Präsidialamt in Washington am Donnerstag erklärt. Die Beweiskette sei nicht eindeutig. "Da die Situation sehr ernst ist, reichen Geheimdiensteinschätzungen allein nicht aus", sagte ein Regierungsbeamter. Bislang haben die USA Forderungen nach einem direkten Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg zurückgewiesen.

Der britische Premierminister David Cameron sieht einen Einmarsch von Soldaten in Syrien ebenfalls skeptisch und mahnte zu Besonnenheit. Großbritannien werde versuchen, nicht den Fehler zu machen, Reaktionen darauf übers Knie zu brechen, sagte er in einem BBC-Interview. Dennoch sei die Lage sehr ernst. "Ich glaube, was Präsident Obama gesagt hat, ist absolut richtig: Dies sollte für die internationale Gemeinschaft eine rote Linie bedeuten, um mehr zu tun."

Spekulationen über den Einsatz chemischer Waffen in Syrien gibt es seit geraumer Zeit. Ein Team von UN-Waffenexperten steht bereit, um den Hinweisen auf einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien nachzugehen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zum wiederholten Male gefordert, Syrien müsse die Chemiewaffenexperten der Vereinten Nationen in das Bürgerkriegsland lassen und ihnen "vollen und uneingeschränkten Zugang" gewähren. Das Regime in Damaskus, das den Einsatz der Experten ursprünglich selbst angefordert hatte, lehnt eine Zusammenarbeit mittlerweile jedoch ab.