Bei der Präsidentschaftswahl in Montenegro haben sowohl der Oppositionskandidat Miodrag Lekic als auch der Amtsinhaber Filip Vujanovic den Sieg für sich beansprucht.

Lekic, dem eigentlich wenig Chancen eingeräumt wurden, teilte am Sonntagabend mit, er habe gewonnen. Nach Auszählung von 92 Prozent der abgegebenen Stimmen habe er 50,5 Prozent erreicht. Der favorisierte langjährige Amtsinhaber Filip Vujanovic, der für die sozialistische Regierung angetreten war, habe nur 49,5 Prozent erreicht.

Vujanovic hingegen verkündete genau das Gegenteil. Er habe mit 51,3 Prozent den Sieg errungen, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger. Dem Ergebnis liege die Auszählung aller abgegebenen Stimmen zugrunde. Eine Entscheidung gab es am Sonntagabend nicht, weil unabhängige Zählungen oder Prognosen nicht vorlagen. Am Ende dürfte die Auszählung der staatlichen Wahlkommission den Ausschlag geben. Ob die Kommission das Ergebnis an diesem Montag vorlegen wird, war zunächst offen.

Opposition wirft Behörden Wahlmanipulation vor

Die Wahl ist ein Kräftemessen zwischen den seit über 20 Jahren regierenden Sozialisten und der traditionell zerstrittenen Opposition, die sich erstmals auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt hatte. Die Oppositionsparteien hatten den Behörden vor der Wahl vorgeworfen, in großem Stil Manipulationen am Wählerverzeichnis vorgenommen zu haben. Auch sei für Stimmen gezahlt worden. Die Regierung hatte das zurückgewiesen.

Das Staatsoberhaupt hat in Montenegro weitgehend repräsentative Funktionen, die wesentliche Macht liegt beim Regierungschef. Etwa 511.000 Montenegriner waren bei der Präsidentschaftswahl stimmberechtigt. In der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik, die 2006 ihre Unabhängigkeit von Serbien erklärte, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage in jüngster Zeit zusehends. Die Arbeitslosenrate liegt nach amtlichen Angaben bei 20 Prozent, die Staatsverschuldung beträgt 51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei 480 Euro.