Nordkorea bereitet nach Einschätzung der südkoreanischen Regierung einen vierten Atomtest vor. Verteidigungsminister Ryoo Kihl Jae sagte bei einer Anhörung im Parlament, es gebe "Anzeichen" dafür, dass die kommunistische Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest vorbereitet. Weitere, konkretere Angaben wollte der Minister in der Öffentlichkeit nicht machen, er verwies auf die Notwendigkeit der Geheimhaltung.

Zuvor hatte die Tageszeitung JoongAng Ilbo unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichtet, dass es seit vergangener Woche eine starke Zunahme der Aktivitäten am Atomtestgelände Punggye Ri im Nordosten Nordkoreas gibt. Personal und Fahrzeuge würden zunehmend bewegt. "Wir beobachten die Situation ganz genau. Sie ist sehr ähnlich der Situation, wie sie vor dem dritten Atomtest war", zitierte die Zeitung einen hochrangigen Regierungsbeamten. Allerdings schränkte dieser ein, dass es sich dabei möglicherweise um ein Täuschungsmanöver handelt, mit dem die US-Satellitenaufklärung in die Irre geführt werden soll. "Vielleicht wollen die einfach nur den Druck auf uns und die USA verstärken."

In Punggye Ri hatte Nordkorea nach 2006 und 2009 Mitte Februar trotz internationaler Warnungen zum dritten Mal eine Atomwaffe getestet. Daraufhin verhängte der UN-Sicherheitsrat verschärfte Sanktionen gegen Nordkorea , das seitdem wiederum immer neue Drohungen vor allem gegen die USA und Südkorea ausgesprochen hat. So erklärte das isolierte Land dem Süden den Kriegszustand und drohte den USA mit einem atomaren Schlag . Zudem verlegte das nordkoreanische Militär inzwischen zwei Mittelstrecken-Raketen an seine Ostküste und installierte sie auf mobilen Abschussrampen. Die US-Regierung reagierte mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen in die Region.

Auch China, bislang der wichtigste Verbündete Nordkoreas , zeigte sich "ernsthaft besorgt" über die jüngste Eskalation der Korea-Krise und warnte die Führung in Pjöngjang in ungewöhnlich scharfer Form vor einer weiteren Eskalation. Keinem Land dürfe erlaubt werden, eine Region oder gar die ganze Welt aus selbstsüchtigen Motiven ins Chaos zu stürzen, sagte der chinesische Präsident Xi Jinping .