Der mutmaßliche Schütze, der vor dem Regierungssitz in Rom um sich geschossen haben soll , handelte offenbar aus Wut auf die italienische Regierung. Der Mann habe bei der Polizei ausgesagt, er habe Politiker angreifen wollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Bei dem Mann handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 46-jährigen Arbeitslosen aus Kalabrien, der seit einigen Jahren in der Region Piemont lebt. Italiens neuer Vize-Regierungschef und Innenminister Angelino Alfano sprach von einer Verzweiflungstat eines Arbeitslosen.

Während der Vereidigung von Regierungschef Enrico Letta waren mehrere Schüsse vor dem Palazzo Chigi gefallen. Dabei wurden eine Passantin und zwei Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. 

Unmittelbar nach der Tat habe der Verdächtige versucht, sich selbst zu erschießen, doch das Magazin seiner halbautomatischen Pistole sei leer gewesen, teilte Alfano mit. Bei seinem anschließenden Fluchtversuch habe sich der Mann im Handgemenge mit Polizisten verletzt.    

Nach ersten Erkenntnissen habe der 46-Jährige allein gehandelt, sagte Alfano. Es habe sich offenbar um einen "isolierten Vorfall" gehandelt. Es gebe keinen Grund, sich um die allgemeine Sicherheitslage in Italien zu sorgen, sagte der Innenminister. Allerdings würden die Schutzmaßnahmen an gefährdeten Orten ausgeweitet.

Regierungschef Letta und seine 21 Kabinettsmitglieder hatten im einen Kilometer vom Tatort entfernten Quirinalspalast vor Präsident Giorgio Napolitano ihren Amtseid abgelegt. Der neuen Regierung gehören mehrere Frauen an, zudem setzte Letta auf eine Verjüngung des Kabinetts. Der Direktor der italienischen Nationalbank, Fabrizio Saccomanni, ist neuer Wirtschafts- und Finanzminister. Neue Außenministerin wurde die ehemalige EU-Kommissarin Emma Bonino .

Seit der Parlamentswahl Ende Februar steckte Italien in einer politischen Krise, da keine Partei eine ausreichende Mehrheit zur Bildung einer Regierung erreichte. Die politische Sackgasse war vor allem angesichts der aktuellen Haushalts- und Wirtschaftskrise in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone brisant.

Die Schuldenlast des Landes dürfte dieses Jahr mehr als 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt derzeit bei knapp 40 Prozent.