In Frankreich prüfen Untersuchungsrichter den Vorwurf, dass der Wahlkampf des französischen Exstaatschefs Nicolas Sarkozy illegal durch den früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi finanziert worden sei. Die Staatsanwaltschaft in Paris eröffnete nach Angaben der Justiz eine richterliche Voruntersuchung gegen Unbekannt. Es gehe um mögliche Straftaten wie Korruption, Vorteilsnahme und Geldwäsche.

Ein französisch-libanesischer Geschäftsmann hatte behauptet, Gaddafi habe den Wahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 mit mehr als 50 Millionen Euro unterstützt. Er könne dies auch beweisen. Bei einer Vorermittlung waren Ende Februar die Räume des einstigen Generalsekretärs im Elysée-Palast, Claude Guéant, durchsucht worden. Guéant war einer der engsten Vertrauten von Sarkozy.

Noch als Präsident hatte Sarkozy den Verdacht der illegalen Wahlkampffinanzierung durch Gaddafi "grotesk" genannt. Das Internet-Enthüllungsportal Mediapart hatte im Frühjahr 2013 ein Dokument veröffentlicht, das den Geldfluss aus Libyen angeblich beweisen würde. Sarkozy erstattete daraufhin Anzeige gegen das Portal. Die Staatsanwaltschaft Paris ermittelt seitdem wegen des Verdachts auf Fälschung des Dokuments. Die nun beschlossenen richterlichen Voruntersuchungen befassen sich allerdings nicht mit diesem Dokument.

Ermittlungen auch in der Bettencourt-Affäre

Die Finanzierung von Sarkozys erfolgreichem Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2007 wird auch in einem anderen Fall geprüft: Er soll illegale Spenden von der L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt erhalten haben. Die Justiz ermittelt nun gegen den Expräsidenten.

Gaddafi wurde im Oktober 2011 während der Revolution in seinem Land erschossen.