Serbien hat die Aufarbeitung einer beispiellosen Grausamkeit der Neuzeit einen Schritt weiter gebracht. Präsident Tomislav Nikolić entschuldigte sich erstmalig für das Massaker von Srebrenica , bei dem 1995 etwa 8.000 bosnische Muslime starben. "Ich bitte auf Knien darum, dass Serbien für dieses in Srebrenica begangene Verbrechen verziehen wird", sagte Nikolić in einem Interview des bosnischen Fernsehens.

Das Massaker an den Muslimen durch bosnisch-serbische Verbände im Juli 1995 gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die internationale Justiz stuft es als Völkermord ein, was Nikolić stets bestritten hat. Eine Reihe internationaler Strafprozesse ergab jedoch, dass das Militär damals gezielt und geplant mordete.


Die Vereinten Nationen hatten die Region um Srebrenica 1993 zur Schutzzone erklärt und UN-Soldaten dahin entsandt. Trotz des UN-Schutzes marschierten 1995 bosnisch-serbische Soldaten und Paramilitärs ein. Tausende bosnische Bewohner von Srebrenica flohen in die Obhut der UN-Soldaten. Das bosnisch-serbische Militär setzte die Flüchtlinge auch dort unter Druck. Die Soldaten begannen, Frauen und Kinder sowie die Männer getrennt voneinander an verschiedene Orte abzutransportieren – zum Teil in Fahrzeugen, die sie den UN-Soldaten abnahmen. Zwischen 13. und 17. Juli 1995 töteten die Militärs die Männer, die meisten in gezielt geplanten Massenexekutionen.   

Nikolić ist seit Mai 2012 Präsident. Sein Vorgänger Boris Tadić setzte unter anderem durch, dass das Belgrader Parlament das Massaker von Srebrenica verurteilte. In seiner Amtszeit wurden der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadžić und auch der bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić an das UN-Tribunal in Den Haag überstellt. Bevor Nikolić Präsident wurde, war er solchen Entwicklungen entgegen getreten. Er arbeitete mit Ultranationalisten der Serbischen Radikalen Partei zusammen.

Sein Land strebt den Beitritt zur Europäischen Union an.