Der Druck auf US-Präsident Barack Obama wächst: Im August vergangenen Jahres hatte er den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien als "rote Linie" bezeichnet und damit einen möglichen Militäreinsatz in dem Bürgerkriegsland ins Spiel gebracht. Angesichts neuer Hinweise auf einen solchen Einsatz haben mehrere US-Senatoren den Präsidenten an seine Aussagen erinnert: Der Republikaner John McCain sagte, er denke, "dass es auf der Hand liegt, dass die rote Linie überschritten wurde".

Die Demokratin Dianne Feinstein befürchtet nach eigenen Angaben, dass Assad am Ende sei und nun nach dem Äußersten greife. McCain forderte eine Flugverbotszone über Syrien.

Obama hatte dem syrischen Präsidenten Assad mit weitreichenden Konsequenzen im Falle eines Chemiewaffeneinsatzes gedroht. Die "rote Linie" gelte auch, wenn das Gift an Terroristen weitergereicht werde, sagte ein Regierungsbeamter.

Ein Militäreinsatz stehe nicht unmittelbar bevor, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter. Zwar lägen Strategien für einen solchen Fall auf dem Tisch, dies sei aber Routine. Eine Geheimdienstbewertung dürfe nicht mit einer politischen Entscheidung gleichgesetzt werden. Das Weiße Haus wolle, dass die Vereinten Nationen eine umfassende Überprüfung der Hinweise durchführen.

UN will Inspekteure ins Land schicken

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Regierung in Damaskus auf, eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen zuzulassen. Das Team könne innerhalb von 24 bis 48 Stunden in Syrien sein, sagte sein Sprecher.

Ein Team von UN-Waffenexperten steht seit Wochen bereit, um den Hinweisen auf einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien nachzugehen. Das Regime in Damaskus, das den Einsatz der Experten ursprünglich selbst angefordert hatte, lehnt eine Zusammenarbeit jedoch ab. Die syrische Regierung und die Rebellen werfen sich gegenseitig vor, chemische Waffen in dem seit über zwei Jahren andauernden Krieg eingesetzt zu haben. 

USA haben Erkenntnisse über Chemiewaffeneinsatz

Am Donnerstag hatten die USA erstmals eingeräumt, dass die Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad offenbar Chemiewaffen eingesetzt haben . Nach Medienberichten hatten britische Militärwissenschaftler jüngst Erdproben aus einer Gegend unweit der syrischen Hauptstadt Damaskus untersucht. Sie wurden positiv auf Chemiewaffenrückstände getestet.

Das Weiße Haus hatte bestätigt, mehrere Mitglieder des US-Kongresses seien schriftlich darüber informiert worden, dass die Geheimdienste "mit unterschiedlichem Grad der Zuverlässigkeit" vom Einsatz von Chemiewaffen "in geringem Maße" ausgingen. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hatte gesagt, weiterhin seien Fragen offen.

Auch die Sprecherin des Nationalen US-Sicherheitsrates, Caitlin Hayden, hatte betont, dass die Erkenntnisse für eine endgültige Bewertung noch nicht ausreichten.