In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat der Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak mit einem neuen Richter von vorn begonnen. Der ursprünglich mit dem Prozess betraute Richter hatte sich vor einem Monat für befangen erklärt und den Prozess unterbrochen.

Ägyptens ehemaliger Machthaber Mubarak weist alle Schuld am Tod von hunderten Demonstranten während des Arabischen Frühlings von sich. Er und seine Mitangeklagten plädierten auf "nicht schuldig". Nach Verlesung der Anklage und hitzigen Diskussionen mit den Vertretern der Nebenklage wurde die Verhandlung vertagt. Der nächste Termin ist nach Angaben des ägyptischen Staatsfernsehens der 8. Juni.

Vor dem Gericht demonstrierten einige wenige Gegner und Unterstützer Mubaraks. Im Gerichtssaal kam es zu Beginn der Sitzung zu Tumulten. Gegner Mubaraks protestierten lautstark gegen die kuwaitischen Verteidiger des ehemaligen Präsidenten. Richter Mahmud al-Raschidi wies das Publikum zurecht: "Dass ihr laut seid, bedeutet nicht, dass ihr recht habt."

Mubarak wurde in einem Rollstuhl in die Polizeiakademie am Stadtrand von Kairo gebracht. Er war ganz in Weiß gekleidet und trug eine Sonnenbrille.

Mubarak, der frühere Innenminister Habib al-Adli sowie sechs weitere frühere leitende Beamte des Ministeriums werden Beihilfe zum Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Sie müssen sich wegen des Todes von mehr als 800 Demonstranten während der Proteste zwischen dem 25. und dem 31. Januar 2011 gegen Mubaraks Regime verantworten. Al-Adli und die sechs Beamten sollen die Schießbefehle gegen die Demonstranten gegeben haben. Zudem sind Mubaraks Söhne Gamal und Alaa wegen Korruption angeklagt.

Mubarak war am 11. Februar 2011 zurückgetreten, nachdem es über Wochen Proteste gegen ihn gab. Im April 2011 wurde er festgenommen und im Juni 2012 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Januar hob die Justiz dieses Urteil wegen Verfahrensmängeln jedoch wieder auf und setzte den neuen Prozess an, der dann wegen Befangenheit unterbrochen wurde.