Joyce  stellte  2011 im Parlament die berechtigte Frage, warum Großbritannien Millionen von Entwicklungshilfe in ein Land pumpe, das "aufgrund seines Rohstoffreichtums der Wirtschaftsmotor Afrikas sein könnte". Er bezifferte die Verluste der kongolesischen Staatskasse durch unsaubere Deals mit Offshore-Firmen im Dunstkreis um Präsident Joseph Kabila auf 5,5 Milliarden Dollar.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte Kinshasa zuvor einen Kredit über rund 500 Millionen Dollar bewilligt – unter der Bedingung, dass der Kongo seine Rohstoffgeschäfte offenlegt und den Verkauf staatlicher Anteile regulären Ausschreibungsverfahren unterzieht. So gut wie keine dieser Konditionen war von der Kabila-Regierung umgesetzt worden.

"Gemeinsam gegen Steuerwüsten und -oasen" – unter dieses Motto hat die britische Regierung den nächsten G-8-Gipfel gestellt, der im Juni in Nordirland stattfindet. In Anbetracht der britischen Abhängigkeit vom Finanzsektor sollte man diesen demonstrativen Elan mit etwas Skepsis betrachten. Aber vielleicht werden bis dahin ja auch ein paar deutsche und französische und belgische Abgeordnete neugierig und fragen bei ihren Regierungen nach, was aus dem ganzen Geld geworden ist – aus der Entwicklungshilfe und aus den Profiten der Offshore-Firmen auf den Virgin Islands.

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