Die afghanische Polizei hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Bundeswehr-Spezialkräfte bei einem tödlichen Gefecht mit Taliban-Kämpfern am 4. Mai im Stich gelassen. "Ich weise energisch Beschuldigungen zurück, dass die Polizei während dieses Feuergefechts davongerannt ist", sagte ein Polizeisprecher der Provinz Baghlan.

Zugleich bestätigte die Bundeswehr Berichte, wonach die Polizisten flohen. Der Vorfall sei "in den Medien vom Ablauf her richtig dargestellt worden", sagte der stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Rainer Brinkmann. Der Konteradmiral versuchte zugleich, dem Eindruck entgegenzuwirken, die Afghanen hätten die Soldaten der deutschen Spezialtruppe KSK bei dem Gefecht im Stich gelassen. "Das ist aus unserer Sicht in dieser Diktion falsch." Bei dem Einsatz war ein Soldat ums Leben gekommen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte unter Berufung auf Bundestagsabgeordnete berichtet, die Polizisten seien geflohen, als der deutsch-afghanische Trupp unter Beschuss geriet. Die KSK-Soldaten hätten das Feuer erwidert und Luftunterstützung angefordert. Nach dem Bombardement seien Polizisten und Soldaten an den Ort des Luftschlags zurückgekehrt und in einen Hinterhalt geraten, bei dem der KSK-Soldat erschossen worden sei.

Laut dem Bericht hatte sich die Polizeieinheit dabei abermals "fluchtartig" aufgelöst. Während die verbliebenen KSK-Soldaten gekämpft hätten, hätten sich die Afghanen in sicherem Abstand aufgehalten. Der gefallene und der verwundete Soldat hätten knapp zwei Stunden nicht abtransportiert werden können.

Gegenreaktion der Taliban

Im nordafghanischen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr haben Aufständische im vergangenen Jahr weit häufiger angegriffen als bisher bekannt. Laut einer Statistik der Bundeswehr gab es 1.228 sicherheitsrelevante Zwischenfälle. Das waren 241 mehr als im Vorjahr, was einem Anstieg von einem Viertel entspricht. Die Bundeswehr korrigierte ihre Statistik damit: Bisher waren nur 1.009 Anschläge und Angriffe für 2012 erfasst.

Vize-Befehlshaber Brinkmann sagte, der Anstieg sei "die logische Konsequenz der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen". Die Übergabe habe Gegenreaktionen der Taliban hervorgerufen.